In Bretagne mit Hund, Clickertraining, Erziehung und Lernen, Shaping-Serie zum Mitmachen

Ich habe einen Miniclip vom letzten Sommer gefunden, in dem Habca und ich gerade beginnen den Kisten-Trick zu erarbeiten. Das ist als ein Beispiel, nicht als ein Vorbild gedacht! Es hilft, sich so etwas anzuschauen,weil man beim Zuschauen mehr sieht als wenn man selbst in der Situation steckt. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, filmt auch Euer Training mal, sicher fällt Euch etwas Neues auf.

Zum Film: Habca hat gerade gelernt, dass wir etwas mit dieser Kiste machen wollen. Sie erscheint mir beim heutigen Sehen ein bisschen überdreht und wahrscheinlich auch müde (sie legt sich die ganze Zeit hin). Sie weiß, dass sie für das Agieren mit der Kiste belohnt wird. Wir haben eine Pause gemacht, und fangen nun gerade wieder an. Ich habe das Kriterium geändert: Ab jetzt werden nur noch Pfotenaktionen belohnt.

Habca ist natürlich zutiefst schockiert, dass sie für ihr Stupsen keinen Cklick kriegt, starrt mich auffordernd an und bellt protestierend. „Hast Du nicht aufgepasst, Frauchen?“ Eine solche Situation könnt Ihr dann nutzen, wenn Ihr wollt, dass eine Aktion, die sehr sanft und zögerlich ausgeführt wird, fester wird. Den das nächste Anstupsen ist nun fast immer nachdrücklich: „Da, siehst Du, ich STUPSE!“

Leider kann man den Clicker im Film kaum hören. Ich benutze einen besonders leisen, weil Habca und ich so geräuschempfindlich sind.

Beim zweiten, nachdrücklichen Anstupsen sind (versehentlich, aber das ist völlig egal!) auch die Vorderpfoten aktiv. Ich klicke und füttere von der Kiste weg, damit Habca neu darauf zu gehen kann. Das nächste Anstupsen kommt schnell und mit aufforderndem Blick, aber als der Klick wieder ausbleibt (nur Nase) probiert sie es relativ unbeeindruckt weiter („wo ist denn nu der Trick mit dieser ollen Kiste?“) und dabei kommen wieder die Pfoten ins Spiel (das sieht man im Film nicht so gut). Also Klick und das Leckerchen nochmal weiter weg. Sie ist motiviert bei der Sache, zeigt nochmal die gleiche Sequenz: Anstupsen mit der Nase, check mit mir, und dann diese lustige „reinspringen“ mit Nase und Pfote. Ich clicke und belohne. An so einem Punkt müssen wir ein bisschen aufpassen, dass wir nicht versehentlich die ganze Sequenz belohnen, der Hund also meint es ginge darum, erst Nasenstups, dann Blickkontakt und dann Pfotenhieb zu zeigen. Eine Möglichkeit wäre dann zum Beispiel aufzustehen, die Situation ein bisschen aufzulockern und wieder mehr Bewegung in die Sache zu bringen. Zum Beispiel kann man nach einem Fehlversuch (dem Nasenstupser) die Kiste kurz weg nehmen oder mit dem Hund von der Kiste weggehen und neu anfangen. Man kann auch sein Startwort (z.B. „Los geht‘s“, „Mach was“) neu sagen.

Ich füttere nochmal weiter weg von der Kiste, und jetzt passiert ein Missgeschick: Habca sieht den Targetstab im Gras liegen. Ich glaube, der war letzten Sommer auch noch ziemlich neu. Jedenfalls blieben mir nur Sekundenbruchteile, zu entscheiden, wie ich mich verhalten soll. Sie hat gelernt, dass ich es toll finde, wenn sie das Teil anstupst, wo auch immer es sich befindet. Ich will dieses Verhalten nicht riskieren und belohne sie deshalb auch jetzt dafür, obwohl wir eigentlich gerade was anderes machen. Ich denke es hätte auch gute Gründe gegeben diese Aktion zu ignorieren. Ihr seht wie ich den Stick erst in meine Tasche stecken will, dann aber Sorge habe er würde sie dort ablenken. Deshalb werfe ich ihn ein Stück weg und Habca rennt natürlich begeistert hinterher. Das war nicht optimal, aber auch nicht schlimm! Beim Shapen gibt es öfters mal kleine Schlenker. Deshalb habe ich das auch nicht rausgeschnitten. Auch Euer Hund wird auf lustige Ideen kommen und Ihr müsst blitzschnell entscheiden ob das irgendwie ein Schritt auf dem Weg zum Ziel sein kann oder nicht. Habca fällt es zum Glück leicht, mit der Kiste weiterzuarbeiten. Habt Ihr gemerkt, dass ich die ganze Zeit die Kiste anschaue (nein, ich lasse nicht traurig den Kopf hängen)? Für ihre Entscheidung, weiter mit mir und der Kiste zu arbeiten, wird sie jetzt nochmal gecklickt und belohnt, obwohl da –glaube ich– keine Pfotenaktion war.

Ihr seht, der Weg kann manchmal ein bisschen mühsam sein, manchmal blitzschnell. In der Regel gibt sich der Hund große Mühe, uns zu verstehen, und mit dem Clicker sind wir ein kleines bisschen deutlicher als ohne. Schritt für Schritt, mit Geduld und Vertrauen, kommt irgendwann jeder vorwärts.

Showing 2 comments
  • Emil

    Ich stehe grundsätzlich beim clickern, weil ich der Meinung bin, dass das Hinsetzen für den Hund Passivität signalisiert. Ich würde schon gerne wissen, ob Habca sich auch gelegt hätte, wenn Du gestanden hättest.

    Schade ist wirklich, dass man den Click nicht hören kann. Ich finde es auch sehr wichtig, dass man etwas vom Objekt entfernt belohnt, damit der Hund sich wieder dem Objekt neu und aktiv zuwenden kann.
    LG BB

  • Steffi

    Hallo,

    ich clickere anfangs meist auch aus Bequemlichkeit im Sitzen, meine Hunde bleiben trotzdem aktiv. Nur, wenn das Verhalten später auch gezeigt werden soll, während ich stehe oder wenn die Arbeitsdistanz sich erhöht, stehe ich auf.
    Den Targetstab hätte ich persönlich nicht unbedingt angeclickt. Wenn ich aktuell mehrere verschiedene Dinge clickere, achte ich immer auf eine strikte Trennung, um meine Hunde nicht zu verwirren. Ich belohne auch immer vom Objekt weg, nur wenn Hund lernen soll eine bestimmte Position zu halten, kriegt er seine Belohnung gebracht :)

    Lg
    Steffi

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