In Angst, Entspannungstraining, Ferien, Festtage, Feiertage, Hund entlaufen, Hundepsychologie, Mensch-Hund-Beziehung

Ich fand es dieses Jahr spannend zu beobachten wie sich immer mehr Hundehalter überlegen, wie sie ihrem Hund beim Feuerwerk helfen können. Klar, es kommt trotzdem am 1. Januar diese Flut von Vermisstenmeldungen, und man fragt sich, ob nicht wenigstens die Grundregel, dass ängstliche Hunde gegen Jahresende ein paar Tage angeleint bleiben müssen, sich allmählich herumgesprochen hat. Aber ich habe den Eindruck, es gibt auch ganz viele Ideen und Ansätze, es besser zu machen. Dieses elende „Angst muss man ignorieren“ (nein, nein und nochmals nein!) scheint mir allmählich aus den Köpfen zu verschwinden.

Wir haben dieses Silvester mit Habca, Nomi und Tao verbracht. Ich will Euch ein paar Dinge berichten, die ich mit ihnen gemacht habe.

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Habca fand die Silvesterböller schon den ganzen Dezember über beunruhigend. Während der Fußballweltmeisterschaft im mit ihren häufigen Feuerwerksfeiern im Sommer hat sie sich angewöhnt, nach dem ersten Knall den Rest des Abend das Fenster anzustarren, als warte sie auf die Fortsetzung. Wichtig ist ihr aber auch, dann in meiner Nähe zu sein. Wenn das nicht geht, legt sie sich am liebsten ins Badezimmer. Bei anhaltenderem Feuerwerk fängst sie manchmal auch an zu hecheln. Wenn es während des Spaziergangs knallt, will sie nicht weitergehen, sondern sofort nach Hause. Ihre ersten Silvester (in Berlin) waren recht unaufgeregt, dann kam ein ganz schlimmes im Rheingau, in den folgenden Jahren hat sie ab Mitternacht gezittert. Im letzten Jahr hat sie mit viel Spielen und viel Fressen alles gut ertragen.

Nomi zeigt wenig Angst, oder: sie zeigt ihre Angst wenig. Einzelne Böller schrecken sie nicht, aber wenn es mehr wird, kriegt sie ihr Stressgesicht. Manchmal geht sie in ihr oder unser Bett. Um Mitternacht kann sie kein Futter mehr nehmen. Die Silvesternacht war in den letzten drei Jahren die einzige Nacht, die sie bei uns im Bett verbracht hat (sie dürfte auch sonst, aber sie bevorzugt ihr eigenes Bett) – zumindest nachts).

Tao hat erst ein Silvester erlebt, die Besitzerin berichtete mir, er habe große Angst und laufe weg, wenn es knallt. Auf die einzelnen Knaller während er in der Wohnung war, reagierte er erstmal gar nicht.

Soweit die Lage.

Um verhaltenstherapeutisch zu arbeiten, gegen Geräuschangst vorzugehen oder gar Feuerwerk gegenzukonditionieren, ist es im Dezember zu spät. Das ist ggf eine Aufgabe für den Rest des Jahres.

Hunde, die große Angst an Silvester haben – die keine Ruhe finden, herumlaufen, zittern, speicheln, sich verstecken, nicht mehr pinkeln und koten können, nicht mehr spazieren gehen wollen usw. – sollten meines Erachtens entweder das Feuerwerk vollständig vermeiden, oder ein angstlösendes Medikament bekommen (Alprazolam eignet sich gut) – aus zwei Gründen:

1. Wer selbst schon einmal wirklich Angst oder Panik gehabt hat, möchte das niemandem, den er liebt, zumuten. Ich weiß, wovon ich rede.

2. Angst wird nie „von selbst“ besser. Gegen Angst sollte man immer so früh wie möglich so viel wie nötig tun – denn Angst generalisiert sich. Ich kenne genug Hunde, die beim kleinsten Knall, z.B. dem Zuschlagen einer Autotür, zusammenfahren, oder die noch den ganzen Januar nicht rauswollen.

Habca und Nomi haben nicht so schlimme Angst, aber sie fühlen sich etwas unwohl. Wie gesagt, konnte ich sie im letzten Jahr gut mit freiem Zugang zur Spielzeugkiste und leckerem Futter ablenken. Das war ursprünglich auch der Plan für dieses Jahr – aber dann hat sich Tao eingeladen, und Tao ist Ressourcenverteidiger gegenüber anderen Hunden- sowohl in Bezug auf Futter, als auch in Bezug auf Spielzeug! Wenn er kommt, liegt bei uns kein Spielzeug und nichts Fressbares herum. Daher hieß die Strategie dieses Jahr: Beruhigung auf allen Kanälen.

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1. Habca und Nomi tragen ihre Thundershirts – ich habe bei beiden gute Erfahrungen damit gemacht. Tao trägt keins: ich habe kein drittes,  ihm ist eh so schnell zu warm, und er hat am wenigstens Angst.

2. alle drei tragen Halstücher oder Schals, die mit dem Pheromon D.A.P. (dog appeasing pheromon) präpariert sind – der Hnadelsname ist Adaptil. Ich habe die besten Erfahrungen mit Habca und dem D.A.P.- Halsband gemacht, da wird sie sogar sehr ruhig. Da es nun für alle wirken soll, habe ich den Stecker mit dem Spray kombiniert. Die Halstücher haben die Mäuse nicht die ganze Zeit an gehabt, manchmal lege ich sie so hin, dass sie selber entscheiden können, ob sie hin- oder weggehen.

3. Alle drei Hunde haben vom 30. 12. abends bis zum 1.1. abends Baldrian bekommen.

4. Habca und Nomi haben seit Mitte Dezember ein Nahrungsergänzungsmittel mit L-Tryptophan bekommen.

5. Ganz wichtig: der so genannte „Social Support“. Habca sitzt gern auf meinem Schoß, Nomi hält gern Körperkontakt, indem sie mir eine Pfote auflegt. Tao mag Kontaktliegen oder ganz in-mich-Reinkriechen. Sie dürfen das selber entscheiden, können kommen und gehen, sich im Bett oder Bad verstecken.

6. Á propos Kuscheln und Berühren: Nomi mag Meridianmassagen, Habca hilft Tellington Touch, Tao rauft gern. Auch das gibts an Silvester zur Genüge.

Wir haben so alles gut überstanden. :-)