In Entspannungstraining, Hund auf Reisen, Hund im Stress, Hundeausstattung, Hundepsychologie

lamington

 

Gerade war so ein Umzugsunternehmensmitarbeiter hier, um sich unser kleines Taunushäuschen anzuschauen und auf seinem Tablet rumzuhacken und zu sagen „Soll das alles mit? Das auch??“. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es ernst wird mit unserem Umzug.

Habca ist schon oft umgezogen: Von ihrer Züchterin im Berliner Umland zu uns nach Prenzlberg, dann mit mir nach Mainz direkt ans Rheinufer, dann wieder mit meinem Mann zusammen nach Frankfurt, und vor zwei Jahren hier raus in den Taunus. Für Rike ist es der erste Umzug – sie ist bloß von ihrer Züchterin hierher übergesiedelt, ein paar Straßen weiter.

Ich bin sogar noch ein paar mal öfter umgezogen als Habca. ;-) Und stecke jetzt wieder mitten drin, in den Vorbereitungen – den organisatorischen, aber auch dem ganzen emotionalen Drumherum. Ich werde von Kunden öfter gefragt, wie man dem Hund den Umzug erleichtert, und fasse meine Tipps hier mal zusammen: 

  1. Überlege dir rechtzeitig, was am Umzugsdrumherum für deinen Hund schwierig oder stressig werden kann, und mach Pläne, wie du ihn (und dich) davor schützt. Im Großen und Ganzen stecken stabile Hunde viel weg, aber ich finde immer, sie müssen ja nicht unbedingt unangenehmen Situationen ausgesetzt werden. Dass zum Beispiel ein fremder Mann durch unser Haus poltert und Frauchen sich dabei auch nicht so wohl fühlt, habe ich meinen Hunden erspart, indem sie halt zehn Minuten im Auto saßen. Für den Umzugstag selbst macht es meistens Sinn, Hundesitter, Freunde etc. zu engagieren. 
  2. Die Hundesachen als letztes einpacken, damit der Hund was Vertrautes zum Liegen und Spielen etc hat, auch wenn das alte Zuhause allmählich ungemütlich wird –  und als erstes wieder auspacken. Ich mache den Hunden eine eigene Umzugstasche, damit im neuen Zuhause alles gleich griffbereit ist: Decken und Betten, Lieblingsspielzeug, Futter für zwei Tage, Leckerli, für alle Fälle Baldriantropfen. Für Hunde mit empfindlichem Magen kann man Leitungswasser für die ersten Tage aus der alten Wohnung mitnehmen.
  3. Eigene Gefühlsregulation: Mal ehrlich, für uns Menschen sind Umzüge stressig und belastend und nervenaufreibend. Ich sage bei jedem Umzug: „ich ziehe nie wieder um!“ Das ganze Einpacken und Auspacken ist das eine, dann die Abschiede, die Ungewissheiten, aber nicht vergessen darf man auch, wie stressig es ist, sich nicht auszukennen. Am Anfang ist alles anders: die Schuhe stehen nicht da, wo man es gewohnt ist, nachts im Dunkeln muss man Überlegen wo das Klo ist, und wo man Gassi gehen kann, weiß man wahrscheinlich auch noch nicht. Natürlich kann es den Hund verunsichern und belasten, Frauchen so gestresst zu erleben. Oft hat man in der heißen Phase dann auch noch weniger Zeit für den Hund, als er es gewohnt ist. – Ich bin kein Freund davon, die eigenen Gefühle vor dem Hund zu verstecken – ich denke, das verunsichert noch mehr, denn mal ehrlich: der Hund kriegt ja doch mit, was los ist. (Ich hatte mal eine Kundin, die ist immer aus dem Zimmer gegangen, wenn sie weinen musste, weil ihr mal jemand gesagt hatte, man dürfe vor Hunden nicht weinen. Der Hund (und ich) fanden das ziemlich befremdlich…). Ich glaube, es ist die bessere Lösung, sich selbst das emotionale Auf und Ab zuzugestehen, und sich und dem Hund bewusst schöne Auszeiten ohne Umzugsstress zu schaffen: ein Waldspaziergang, eine Kuschelstunde auf dem Sofa, ein Stündchen im Lieblingscafé – was Hund und Mensch so mögen.
  4. Wenn man in einer Stadt bleibt, kann der Hund das neue Zuhause und neue Gassistrecken oft schon vor dem eigentlichen Umzug kennen lernen. Wenn es weiter ist, so wie bei uns jetzt, geht man am besten am neuen Zuhause erstmal eine kleine Runde ums Haus oder um den Block, lässt den Hund schnuppern und markieren, und geht dann rein.
  5. In der neue Wohnung verteile ich möglichst zügig unseren „Familiengeruch“, einfach indem man Hundedecken, Hundebetten, aber auch getragene Kleidung, Schmutzwäsche etc. von uns Menschen verteilt. Ist übrigens auch ein guter Trick für Hotelzimmer und Ferienwohnungen.
  6. Am besten macht man im neuen Zuhause ein Zimmer zügig gut bewohnbar (Schlafzimmer macht Sinn), so dass Mensch und Hund einen Ort zum Entspannen und Auftanken haben. Bei größerem Haus und/ oder sensiblerem Hund macht es Sinn, den Hund nicht sofort alles erkunden zu lassen, sondern Zimmer für Zimmer oder in Abschnitten über mehrere Tage hinweg. 
  7. Rechtzeitig, das heißt schon einige Wochen vor dem Umzug, sollte man überlegen, ob man was fürs Nervensystem zufüttert – Vitamin B, oder Tryptophan, oder Nahrungsergänzungsmittel mit mehreren Wirkstoffen (siehe auch mein Artikel über Ernährung/ Nahrungsergänzung).
  8. Für Umzüge und Eingewöhnungszeit gut geeignet ist auch D.A.P./ Adaptil als Halsband oder für die Steckdose, oder auch als Spray im Auto und im neuen Zuhause. Nicht alle Hunde reagieren auf D.A.P., wenn die Zeit noch reicht, probiert man es am besten vorher mal aus. Habca hat für Umzüge bisher immer ein D.A.P.-Halsband gehabt, sie ist dann ein bisschen müder/ träger als sonst, und gelassener. 
  9. In der ersten Woche geht man am besten immer die gleichen Wege im neuen Umfeld, anstatt den Hund mit ganz vielen neuen Eindrücken zu konfrontieren, und lässt es insgesamt etwas ruhiger angehen.
  10. Zuletzt muss man dann noch daran denken, den Hund in der alten Gemeinde ab- und der neuen Gemeinde anzumelden.

 

Habt Ihr noch mehr Tipps? Seid ihr schon mit Hund umgezogen? 

 

 

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