In Erziehung und Lernen, Hund in Berlin, Hund und Kind, Hundeerziehung, Mensch-Hund-Beziehung

Kennt Ihr das Szenario? Hundeeltern treffen Babyeltern; man stellt ziemlich schnell fest, dass man eine Reihe ähnlicher Probleme und Freuden hat: Baby/ Hund nimmt Fernbedienung und Mobiltelefone in den Mund, guck mal, das hat er/ sie gerade zum ersten Mal gemacht!, das Geräusch ist neu!, das „Komm, lass uns tauschen“-Spiel, Baby/ Hund wacht Sonntags früher auf als einem eigentlich lieb ist, usw. Interessanter Gesprächsstoff, könnte man denken, aber Vorsicht: Meiner Erfahrung nach reagieren Kindseltern da nicht so gut drauf.

Vielmehr bemühen sie sich besonders, herauszustellen, wieviel Arbeit so ein Hund wohl mache: Wie lang bleibt der denn allein? (Fünf Stunden, ungefähr, und dein drei Monate altes Kind?) – Ist der Tierarzt nicht ziemlich teuer? Hast Du nicht Angst, wenn Du einen Kampfhund triffst, dass der Deinen frisst? –

Aufgrund solcher Erfahrungen mit einer Studienbekannten halte ich mich jetzt Babyeltern gegenüber vornehm zurück. So blieb der Hund gestern abend auch zu hause, als wir zum Essen bei Baby-Eltern eingeladen waren. „Könnt Ihr die Schuhe ausziehen, der Boden gehört A.“. Na klar. A. krabbelt auf dem Boden rum, macht schnarchende Geräusche, weint, schnupft, reißt an der Pflanze, nimmt die Fernbedienung in den Mund. Was Babys so machen. Und dass ich mich frage, ob die nicht mal einen Moment neben ihrer Mama Platz machen kann, dass man in Ruhe essen kann, gut, dass liegt an meiner eigenen Deformierung. Wir spielen das „Wie hinreißend“-Spiel, dass man in Gegenwart eines Babys zu spielen hat. Und, hey, da ich mich gerade beruflich ein bisschen mit Entwicklungspsychologie beschäftige, finde ich diese ganze „Was-sie-jetzt-kann-und-was-sie-noch-nicht-kann“-Nummer sogar wirklich interessant. Über den Hund kein Wort. Trotzdem kommt das Gespräch natürlich auf Hunde. Schlechterzogene Hunde, das ist das Schlimmste, eine Zumutung. Dann der schöne Satz „Hunde in Stadtwohnungen, das ist doch ohnehin Tierquälerei.“ Mein Freund bekommt diese Ich-bleibe-ganz-ruhig-obwohl-ich-mich-gerade-tierisch-aufrege-Stimme, kennt ihr die? Ganz sanft. „Ooooch, ich glaube unser Hund ist ganz zufrieden…“. Ich sage was dazu, dass Bewegung, Beschäftigung, Ansprache und Erziehung wichtiger sein können als Quadratmeterzahl der Wohnung. Natürlich kommt jetzt die Geschichte. Ich habe sie schon oft gehört, ihr muss die ganze unbewusste Problematik der Menschenkinder/Hundeeltern-Problematik eingeschrieben sein. Das schwule Paar. Eigentlich wollten sie Kinder adoptieren. Dann hatten sie plötzlich diesen Hund. Und von da an drehte sich alles nur noch um den Hund. Der Hund macht ein Geräusch, man rätselt ob er raus will oder Hunger hat. Der Hund braucht dies, der Hund ist allein zu Haus, wir müssen gehen, wie sollen wir den Hund erziehen. Eine Zumutung für jeden vernünftigen Menschen, nicht wahr?

Erinnert mich dran, dass ich mal was über Speziezismus schreibe…

Showing 7 comments
  • Emil

    Ohja, wie gut wir das alles kennen. :-)

  • Arabella

    Hey I’m glad you stopped by! I’ll have to goad my mom into taking the time to read your blog to me – I“m don’t know any German. She said that today her brain was way to tired to switch into a another language.

    I also don’t get the hot breakfast to often but since my aunt Jenny was there we all got a special treat!

  • Banjo's Frauchen

    Ich erwische mich in der Schule mit den Kindern auch immer dabei, dass mir jede Menge Parallelen auffallen. Aber auch diese: Dass Hunde/Kinder liebevolle Strenge und Beständigkeit in den Anweisungen brauchen. Viele andere Dinge auch, aber ich hüte mich, das zu äußern.

    Und die Ansicht, dass dein und mein Hund dich und mich nicht als Hund sehen und uns eher für bescheuert halten, als für einen Rudelführer, wenn wir uns so benehmen, die teile ich absolut. Tut sehr gut, das auch mal von jemand anderem zu lesen.

    Manchmal – meistens überkommt mich das, wenn wir gerade feste schmusen und er vor Wonne grunzt – denke ich: „Du hast ein Tier im Arm. Du küsst ein Tier. Du hast ein Tier in deinem Bett.“ Nicht, weil ich daran etwas ändern will, sondern um mir klar zu machen, dass Banjo ein Tier ist und ein Tier bleibt. Er ist kein „Fellkind“, sondern ein Tier. Wir wohnen und leben nur zusammen.

  • Merlin + Dojan

    Uiii, um solche Leute macht Frauchen mittlerweile eine grossen Bogen, einen ganz grossen :-)

    Wuffwuff
    Merlin und Dojan

  • Wurschti

    Wir wollen aber nicht vergessen, dass es auch richtig hammerharte Eltern gibt. Die lachen noch, auch wenn ich mal in den Kinderwagen schaue und an der Nacktnase rieche. Komisch, genau diese Kinder freuen sich dann auch immer über mich.

    Gut gelaunte Grüße vom Wurschti

  • Anouks Frauchen

    Hmm, schwieriges Thema. Wir sind ja nun beides: Kinder- und Hundeeltern, um mal bei dem Bild zu bleiben. Ich würde meine Hunde aber nicht mit einem Kind vergleichen. Unsere Hunde bekommen aber auch keine Geburtstagsgeschenke oder gar -feiern, weil wir das aus einer anderen Perspektive betrachten. Wobei ich dabei keinen verurteilen will. Ich finde das o.k., wenn Leute das machen, nur für uns ist es nicht die Lösung.

    Klar vermenschlichen wir unsere Hunde auch. Dafür sind wir ja auch Menschen, ich für meinen Teil kann mich nicht in einen Hund verwandeln, will ich auch nicht, aber ich kann meine Hunde hundgerecht behandeln, soweit es geht.
    Ich glaube auch nicht, dass meine Hunde mich für einen (Leit-)Hund halten, weil ich denke, dass sie da gar nicht drüber „nachdenken“. Sie orientieren sich an mir oder eben gerade nicht, aber sie bewerten doch nicht bewusst, ob ich mich gerade wie ein Mensch oder ein Hund verhalte. Sie finden mich auch nicht bescheuert *Wehe doch!*, weil sie mich dazu erstmal analysieren müssten, um meine Handlungsweise zu verstehen. Machen sie aber nicht. Ist ihnen egal, warum ich was machen, sondern nur, welche Auswirkungen es auf sie hat (fast wie Männer :-)

    Sie versuchen auch nicht, mich zu verstehen. Sie versuchen höchstens sich so zu verhalten, dass sie für sich den größten Vorteil daraus ziehen können. Darin unterscheiden sie sich von Kindern, die zwar in gewissem Maße auch Opportunisten sind (wie alle Menschen), sich aber mit wachsenden Alter und Intellekt auch bewusst selbstlos verhalten können. Trauen wir unseren Hunden nicht ein bisschen viel zu?

    Im Übrigen finde ich auch, dass Kinder und Hunde Strenge und Beständigkeit und vor allem Regeln und Grenzen brauchen. Denn nur wer Grenzen kennt, kann sich innerhalb dieser Grenzen frei bewegen.

    Die „hammerharten Eltern“, die ihre Kinder völlig entspannt an Hunde heranführen, sind mir auch die liebsten. Aber trotzdem muss man auch Verständnis haben für Leute, die Angst haben, vor Hunden, um ihre Kinder, was auch immer…
    Und ich als Mutter finde es blöd, wenn mein Kind von einem frechen Welpen angesprungen wird und in die Haare gebissen wird und Frauchen hilflos danebensteht und nichts tut. Und mich böse anschaut, wenn ich dem Hündchen die Grenzen setze, die sie eigentlich setzen müsste. Aber hey, das ist meine Tochter, die will nicht in die Haare gebissen werden. Auch nicht, wenn der Welpe neu ist oder süß oder eine schwere Kindheit hatte!

    Ein bisschen gegenseitiges Verständnis von Eltern und Nichteltern und Hundehaltern und Hundehassern wäre schon hilfreich.

    Den Spruch, dass der Hund sich in einer kleinen Stadtwohnung nicht wohlfühlen würde, kontere ich immer mit dem Argumwent, dass meine Hunde mit mir auch in einer Telefonzelle wohnen würden und trotzdem glücklich wären. Aber vielfach ist das jahrelang übertragenes Halbwissen, dass von Nichthundehaltern kritiklos übernommen wird. So wie ich über ein Aquarium vielleicht denken würde, es brauche diese Blubberblasen. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber es ist mir eigentlich auch egal, ich will ja kein Aquarium haben.

    Boah, jetzt ist aber Schluss mit Kommentieren. Sorry für die vielen Worte.

    liebe Grüße, Noukis Frauchen

  • Loco

    Nein, Aquarien brauchen keine Blubberblasen – im Gegenteil… aber das Vorurteil hält sich hartnäckig.

    ;) Komisch, Fernbedienungen haben bei uns weder Hund noch Kinder gekaut. Aber Hanni ist mir noch ne Erklärung schuldig für die Fischdose…

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