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„Dieser Hund ist schwer zu beeindrucken“, höre ich oft, „egal, was ich mache, der ist nicht beeindruckt. Ob ich schreie oder leise bin, ihn knuffe oder anrempel oder mich vor ihn stelle, ist dem grad‘ egal.“

Es ist verletzend, das Gefühl zu haben, dass ich dem anderen egal bin. Und Hunde können herrlich ignorieren! Habca kann durch Leute hindurchsehen bis sie selber daran zweifeln, ob sie da sind!

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Gemeinsam unterwegs

 

  Ich verstehe, dass man den Impuls hat, zu manchen Hunden hinzugehen und sie anzustupsen und zu sagen „hey, hallo, ich bin auch noch da, ich bin nicht nur ein Gewicht, das du hier durch die Gegend ziehst.“ Ich habe das auch schon gemacht. Andere Leute setzen sich erstmal heulend im Wald auf den nächsten Baumstumpf, weil ihr Hund sie mal wieder gar nicht beachtet. Auch ok. Habe ich auch schon gemacht. ;-) So viele erzählen mir, dass sie das machen, dass man sich eigentlich wundern muss, nicht ständig heulende Hundehalter im Wald zu treffen!

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He, Hunde! Findet ihr mich beeindruckend?

Es ist was anderes, was mich an der Aussage oben stört. Nämlich die Implikation, ein Mensch müsse einen Hund beeindrucken, um gut miteinander umgehen zu können. Ehrlich gesagt, bin ich auch schwer zu beeindrucken, und finde das nicht so schlimm. Ich treffen einfach selten Menschen (oder Hunde), von denen ich spontan sage „wow, der/ die ist beeindruckend“. Wenn das so ist, fühlt es sich toll an, und natürlich versuche ich Zeit mit dieser Person zu verbringen, ihr zuzuhören, ihre Texte/ Blogs/ Artikel zu lesen, sie zu beobachten, Seminare bei ihr zu belegen. Klar!

Total angenehm auch, wenn ich – wahrscheinlich noch seltener, aber es ist schon vorgekommen – merke, dass ich jemanden beeindruckt habe. Dass jemand sagt „lass mal hören was die Miriam dazu sagt“, dass jemand Zeit mit mir verbringen will, meine Sachen lesen will. Oder auch: dass ein Hund schon beim ersten Treffen sagt: „wow, du bist beeindruckend, ich geh mit dir mit, ich gucke was du machst, ich interessiere mich wofür du dich interessierst, ich will dir eigentlich gar nicht mehr von der Seite weichen, und das Reh/ der andere Hund/ andere Mensch da vorne ist mir jetzt total egal“. Das fühlt sich toll an! Klar. (Auch wenn ich nach zehn Minuten toll-gefunden-werden schon sagen würde: und jetzt geh mal nach dem Hund da vorne gucken, wir sind ja hier nicht auf’m Schäferhundeplatz.)

Aber: Ich würde nicht zum nächsten Hund hingehen und sagen, du, ich bin total beeindruckend, und jetzt mach was ich dir sage!

Wenn ich mit einer Freundin einen Spaziergang mache, nehme ich mir auch nicht vor, sie zu beeindrucken – und das auch noch mit dem Ziel, dass sie dann brav neben mir herlatscht!

Ehrlich gesagt, wenn mal wieder einer zu mir sagt „der Hund ist überhaupt nicht zu beeindrucken“, würde ich manchmal gern erwidern, „na, so beeindruckend finde ich dich jetzt auch nicht.“

 Ein vernünftger Hund müsste zu einem viel härteren Urteil kommen: Menschen kriegen nix mit, verstehen nicht wo es wie riecht, wo die spannenden Sachen sind, zerren an der Leine, reden komisches Zeug, wedeln in den unpassendsten Momenten mit Leckerlies rum, gehen komische Wege, vertreiben das Wild mit ihrem Krach… – unser Glück, dass Hunde in der Hinsicht nicht vernünftig sind!

 Ich finde es toll, mit einem Hund spazieren zu gehen, mit jemand, der so anders ist als ich, und mich doch an seiner Welt teilhaben lässt. Den Stress, ihn jetzt erstmal beeindrucken zu müssen, will ich mir gar nicht machen.

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Es gibt so viel anderes Wichtiges als nur die menschliche Begleitung…

Wenn ich mit einem Hund die ersten Male spazieren gehe, versuche ich herauszufinden, wer er ist. Was er mag, was er nicht mag, was ihn interessiert. Und ich versuche, etwas davon zu zeigen, wer ich bin. Was ich gut finde und was nicht. Welche Stellen ich spannend finde. Wenn ich kapiere was der Hund gut findet, sagen wir: Mauselöcher, werde ich an ihn deken, wenn ich Mauselöcher sehe, und vielleicht sagen: hey, guck mal, was für ein tolles Mauseloch – so wie ich zu meiner Freundin sagen würde „guck mal die Sonnenblume da“, wenn ich weiß, dass sie Sonnenblumen mag. Ich würde probieren dem Hund zu helfen, bei Sachen die er schwierig findet. Ich würde sagen, wenn ich was total doof finde. Ich wäre so fair, dem Neuen die Regeln zu erklären, die es in unserer Gruppe gibt. Ich würde mich freuen, wenn ihm das Zusammensein gefällt, und ich würde mich freuen wenn ich merke, dass ich jemanden kennen gelernt habe, mit dem ich gern zusammen bin.

Aber ich erwarte weder, dass er mich beeindruckt, noch dass ich ihn beeindrucke.