In Clickertraining, Erziehung und Lernen, Shaping-Serie zum Mitmachen

Liebe Leserinnen und Leser, dieser Post hätte eigentlich schon Freitag erscheinen sollen, aber da Miriam gerade nicht in der Großstadt ist und das ländliche Internet diversen Beschränkungen unterliegt (nein, sie ist nicht in China) gab’s so einige hausgemachte Übertragungsschwierigkeiten. Die nächsten Posts folgen jedenfalls schneller. Ich hoffe, alle haben die Zeit shapend genutzt! F.

Wer bis jetzt nicht das Glück hatte, dass sein Hund von selbst auf die Idee kam, beide Vorderpfoten auf den Hocker zu stellen, der beginnt heute, dieses Verhalten zu formen oder zu shapen (das ist einfach das englisch Wort für formen).

Erinnert Ihr Euch, wie Ihr früher Topfschlagen gespielt habt? Shapen geht so ähnlich. Eine wichtige Gemeinsamkeit ist zum Beispiel, dass es allen Beteiligten Spass machen soll. Wir als Trainer müsse uns, gerade zu Beginn, ziemlich konzentrieren. Aber achtet darauf, dass Ihr nicht stocksteif mit zusammengekniffenen Augenbrauen dasteht und den Hund anstarrt. Habca meldet mir sehr schnell zurück, wenn ich mich komisch verhalte, und ich bin ihr dankbar dafür! Bleibt in Bewegung, bleibt entspannt und habt Spaß. Bleibt im Kontakt mit Eurem Hund. Ihr sollt beim Shapen nicht auf ihn einreden, nicht locken und ihm nicht helfen. Aber Ihr müsst ihn nicht unnötig verunsichern, indem Ihr Euch in einen starren Clickerroboter verwandelt.

Shapen hat noch etwas mit Topfschlagen gemeinsam. Ihr wisst, wo das Ziel ist (in diesem Fall nicht der Topf, sondern eine bestimmte Körperhaltung des Hundes), Euer Mitspieler weiß es noch nicht, und probiert etwas aus. Ihr gebt ihm nun eine Rückmeldung, ob sein Ausprobieren in die richtige Richtung geht („warm – heiß – kalt!“).

Hierzu müssen wir uns wieder ganz genau überlegen, wie unser gewünschtes Ergebnis aussieht. Den Weg zu dieser erwünschten Körperhaltung versuchen wir in klitzekleine Zwischenschritte zu zerlegen. Und jeden der Zwischenschritte belohnen wir durch Click und Leckerli. Denkt wieder daran, den geklickten Hund mit dem versprochenen Leckerli vom Hocker weg zu bewegen. Nach jedem Klick beginnt eine neue Spielsequenz. Der Hund probiert von Neuem: „Ich weiß schon, dass etwas mit diesem Hocker und mit meinen Pfoten zu tun hat, und es hat sich gelohnt, meine rechte Pfote ein bisschen zu heben. Also mach ich das alles nochmal. Jetzt könnte ich gleichzeitig probieren, den Hocker mit der Nase anzustupsen. Na, Frauchen, kein Klick? Wirklich nicht? Na gut. Mmh, ich könnte ja mit der Vorderpfote mal auf den Hocker hauen… ah, ein Klick! Schnell zu Frauchen und den Keks abholen! Und dann schnell zum Hocker zurück!“

Kennt Ihr auch MasterMind? Das Steckspiel, wo man sich eine vom Mitspieler ausgedachte Farbkombination erarbeitet? Das mit den Zwischenschritten hat eine Ähnlichkeit zu MasterMind. Mit dem Click beginnt ein neuer Versuch. Und Ihr wisst jetzt schon, dass dieser Schritt und dieser Schritt auf jeden Fall richtig sind.

Nun kann es sein, dass Ihr Euch überlegt, das Erarbeiten solle so ablaufen, dass Euer Hund erst die eine Pfote sicher und fest auf den Hocker stellt, und dann arbeitet Ihr an der zweiten. Aber Euer Hund setzt sich vielleicht dicht vor den Hocker hin und wedelt mit den Vorderpfoten in einer Art „Männchen“-Haltung über dem Hocker. Jetzt heisst es für Euch ganz schnell umdenken, klicken und belohnen! Euer Hund hat einen anderen Lösungsweg gefunden als Ihr. Freut Euch! Versucht nicht, den Hund auf einen bestimmten Lösungsweg zu zwingen. Viele Wege führen zu einer erwünschten Körperhaltung, einem zu erarbeitenden Verhalten. Manche sind vielleicht länger oder komplizierter, aber keiner ist hier besser als ein anderer. Wichtig ist, dass Ihr Euren Hund selbst denken und mitarbeiten lasst.

Erinnert Ihr Euch noch an diese Lehrer, die eine offene Frage stellten, und eine ganz bestimmte Antwort hören wollten? Euren Hund könnt Ihr durch solches Verhalten beim Shapen so unter Druck setzen oder stressen, dass er keine Lust mehr hat mitzumachen.
Ein Verhalten, das nicht in die Richtung führt, in die wir wollen, ist auch nicht „falsch“ oder „schlecht“. Ihr reagiert überhaupt nicht darauf, sondern wartet gleichmütig-freundlich, dass der Hund etwas anderes ausprobiert. Es gibt bei diesem Topfschlagen keinen Kommentar wie „kalt“. Wenn Ihr dringend einen solchen Kommentar braucht, könnt Ihr dem Hund mit einem freundlich-bedauernden „schade!“ zu verstehen geben, dass dieses Verhalten jetzt nichts bringt, und er, wenn er einen Keks will, besser was anderes ausprobiert. Ihr könnt Euch beim „schade“ kurz abwenden und den Hocker wegnehmen. Aber denkt daran, dass „schade“ keine Strafe ist, kein „Nein“ und keine Verhaltenskorrektur! Nach einer Sekunde schon könnt Ihr dem Hund den Hocker genauso fröhlich-freundlich wie zu Beginn der Übung wieder hinstellen, und es kann weiter gehen. Es macht Sinn, das Signalwort „schade“ einzuführen, wenn der Hund ein Verhalten ausführt, das ihr nicht wollt und also nicht belohnt, das sich aber selbst belohnt. Dazu gehört zum Beispiel ausdauerndes Bellen.

Ich will ehrlich genug sein Euch zu sagen, dass ich richtiges Shapen für schwierig halte. Aber es lohnt sich, ehrgeizig dran zu bleiben! Zum einen ist es beeindruckend, manchmal auch berührend, zu sehen, wie die Hunde anfangen mitzudenken. Zum anderen lernt Ihr mit Euren Hunden einmal wieder etwas ganz Tolles: Im Moment zu sein, sich richtig arg zu konzentrieren, verschiedene Lösungswege für ein Problem zu erarbeiten, und einen Lösungsweg in tausende klitzekleine Zwischenschritte zu zerlegen. Wer das kann, dem kann doch im Leben nicht mehr viel zustoßen. ;-)

So, die von Euch, die jetzt durch Einfangen oder Formen so weit sind, dass Ihr Hund fröhlich-zuversichtlich seine beiden Vorderpfoten auf den Hocker stellt, die dürfen jetzt anfangen, Bewegungen der Hinterfüße zu formen – mit dem Ziel, dass der Hund mit den Vorderpfoten auf dem Eimer bleibt, kleine Tippelschrittchen machend, und mit den Hinterbeinen langsam und konzentriert im Kreis um den Eimer herumgeht.

Alle anderen dürfen beim nächsten Post mit Locken und sanftem Zwang arbeiten, oder beim übernächsten erfahren wie Targettraining funktioniert. Jeder Hund und jeder Mensch lernt ein bisschen anders. Wenn Ihr einmal raushabt, wie Euer Hund am Besten oder auch am Liebsten lernt, und wie Ihr am liebsten lernt und unterrichtet, dann ist eigentlich (fast) alles machbar. ;-)

Showing 2 comments
  • Trudy

    Gestern Sonntag und heute haben wir wieder geübt. Auf dem Video vom Sonntag (nicht veröffentlicht) habe ich festgestellt, dass ich meist zu spät klicke.. :-(
    Bin eben im Ruhestand :-)
    Das Video hilft tatsächlich, eigene Fehler aufzuspüren.

    Was mich jetzt verunsichert ist das Hilfswort, welches ich gebe um sie zu motivieren, die Pfoten auf die Kiste zu stellen. Das darf man doch, ODER?

  • Kathrin mit Jamie

    Wir klickern auch im Ostsee-Urlaub fleißig weiter. Die veränderte Umgebung und die Aufregung – Sonne, Strand, Meer! – haben dazu geführt, dass wir zunächst wieder einen Schritt zurück gehen und das Spiel mti EINER Vorderpfote belohnen mussten. Aber jetzt sind wir wieder bei Klicks für BEIDE Vorderpfoten auf der Kiste – und es klappt weiterhin immer besser. Schön zu sehen, dass es funktionert, auch wenn es manchmal länger dauert, bis es auch beim Hund „Klick“ macht!!!

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