In Clickertraining, Erziehung und Lernen, Hunde-Bücher/ Hundezeitschriften

Das Tolle daran, sich Übungen so systematisch und in kleinen Schritten zu Erarbeiten wie wir das in den letzten Wochen mit dem Aufstellen der Vorderbeine auf einen Hocker gemacht haben ist, dass es mit Eurer Erfahrung und der Eures Hundes immer einfacher wird. Macht es Euch leicht, indem Ihr ein kleines Trainingsritual daraus macht. So könnt Ihr Eure Clickerzeit immer zu einer bestimmten Uhrzeit haben, an einem bestimmten Ort, auf einem bestimmten Teppich anfangen und etwas bestimmtes dazu sagen. Bringt Euch selbst in eine fröhlich-konzentrierte Stimmung. Trainiert nur, wenn Ihr auch Lust dazu habt, und wenn Euer Hund nicht völlig erschöpft, überdreht, total ausgehungert oder schon satt ist, die Nachbarshündin vielleicht nicht gerade läufig und ihr nicht gereizt vom Familienstreit.

Nun wird es Euch schon relativ leicht fallen, Eurem Hund durch das Einfangen „zufälliger“ Hinterhandbewegungen und das Formen von kleinen Schrittchen zu vermitteln, dass er mit seinen Hinterbeinen im Kreis um die Kiste herumgehen soll. Seid geduldig, die allermeisten Hunde finden es schwer, mit ihren Hinterfüßen aktiv zu werden. Ein Grund, weshalb diese Übung gut ist! Passt auf, dass die Belohnungsrate nicht zu arg fällt und der Hund die Lust verliert. Lieber nur wirklich kurz üben und den Hund zwischendurch von der Kiste runtersteigen lassen und nochmal von vorn anfangen. Schaut genau hin und klickt wirklich jede Hinterhandaktion.

Weil es manchen Hunden wirklich schwer fällt, auf die Idee zu kommen das das ganze irgendwas mit ihren Hinterbeinen zu tun haben könnte, und es nicht gut gelingen wird diese Bewegung hervor zu locken erläutere ich dieses Mal auch die vierte Möglichkeit, Verhalten zu bekommen, nämlich sanften Zwang.

Solcher Zwang ist als ein helfender Hinweis zu verstehen wenn der Hund auf dem Schlauch steht. Er ist keine Abkürzung des Lernwegs, im Gegenteil! Stellt Euch nochmal das Topfschlagen-Beispiel aus meinem früheren Post vor. Eines der Kinder schlägt und schlägt mit dem Kochlöffel, findet den Topf aber einfach nicht. Ihr müsst nun zuerst natürlich sicherstellen, dass die anderen Kinder die Hinweis „heiß“ und „kalt“ richtig verwenden, dass das betreffende Kind die Regeln verstanden hat, nicht taub ist, Interesse am Topf hat, usw. Aber bevor es nun in Tränen ausbricht und nie mehr zu einer Kinderparty gehen will kann es eben auch Situationen geben in denen ihr dem Kind (oder dem Topf) einen gezielten, hinreichend kräftigen aber möglichst sanften und unauffälligen Schubs gebt. Nur wird das Kind dadurch in der nächsten Runde nicht besser topfschlagen!

Wenn das Formen nicht klappt liegt das in aller Regel am Mensch. Ihr braucht Übung und Konzentration. Es ist entscheidend, zum genau richtigen Zeitpunkt zu clicken, und das ist nicht leicht. In Clickertrainingbüchern findet ihr eine Reihe schöne Übungen dazu. Eine Trockenübung zum freien Shapen finde ich besonders hilfreich. Ihr braucht dazu zwei Menschen, keinen Hund, aber einen Clicker oder ein vereinbartes Markerwort (wenn der Hund in der Nähe ist nehmt Ihr natürlich nicht den Clicker und nicht das Markerwort des Hundes).

Eine Person überlegt sich still für sich eine einfache kleine Aufgabe für den Anderen, zum Beispiel er soll den Esstisch mit einer Hand berühren oder in die Hocke gehen. Dann sagt er ein Startwort. Am Leichtesten ist es erstmal, wenn der Andere nun zur Tür hereinkommt. „Klickt“, sobald er sich in die richtige Richtung wendet oder den kleinsten Ansatz einer richtigen Bewegung zeigt! Mit dem „Klick“ ist dieser Übungsabschnitt beendet, Euer Spielpartner kommt neu zur Tür herein. Hat er schon verstanden, was ihr geclickt habt? Wahrscheinlich nicht! Bleibt geduldig. Probiert beide Rollen aus.

Künstlich an dieser Situation ist, dass beide Partner wissen um was es geht und viel zu viel mitdenken. Eigentlich braucht es zum Clickertraining keine kognitive Intelligenz. Wenn Ihr Lust bekommen habt, andere Menschen durch diese Form von Konditionierung zu beeinflussen, könnt Ihr das mit einigem Geschick machen, ohne dass die betroffenen das merken. Überlegt Euch, was Ihr als Verstärker einsetzt. Die meisten Menschen sind nicht nur nicht hinreichend fleischwurstbegeistert, es könnte auch seltsam wirken wenn ihr anfangt Schokoladenstückchen zu verteilen. Lächeln, Lob, Zuwendung, Anerkennung könnten hilfreichere Verstärker sein. Setzt Eure Verstärker gut getimt ein und ignoriert jedes unerwünschte Verhalten. Mehr zum Menschenclickern und zum Konditionieren von schwierigen Kindern und Schwiegermüttern findet Ihr in diesem grundlegenden und wirklich empfehlenswerten Clickerbuch:

Comments
  • Steffi

    Hallo,

    lustigerweise können Hunde aus Mehrhundehaltung recht schnell sehr gut unterschieden, wann ein Click ihnen gilt und wann nicht ;)
    Wenn ich z.B. mit meinen drei Hunden clickere, müssen ja immer zwei meiner Hunde in direkter Nähe auf ihren Einsatz warten und sehen zu wie der dritte geclickert wird. Ebenso hatten sie dann auch beim „Menschenclickerspiel“ keine Probleme damit. Das Spiel kann ich auch wirlich empfehlen. Denn das Gegenüber und evtl. Beobachter können einem mit Worten erklären, wo die eigenen Schwachpunkte liegen, z.B. falsches Timing, zu schnelles Ändern der Kriterien usw., ohne dass der eigene Hund darunter „leiden“ muss ;)

    Ich werds jetzt auch mal mit der Kiste probieren ;)

    LG
    Steffi

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