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Nur wer zurück kommt, wenn man ihn ruft, darf frei laufen, oder?

Insofern finde ich einen funktionierenden Rückruf eines der wichtigsten Signale für Mensch-Hund-Teams. (Wenn es (noch) nicht klappt, bleibt ja noch die Schleppleine.)

Man sollte denken, es sei einfach: Ich rufe „Hansi, komme mal schnell“, und wenn Hansi mich mag/ mir vertraut/ mir gehorcht/ mich für ranghöher hält/ brav ist/ … – dann wird er kommen. Oder wenn er Lust hat oder Hunger oder Bock auf die Würstchen in meiner Tasche hat oder sonst halt nichts los ist.

Ja gut, das sind jetzt schon ganz schön viele Bedingungen, welche muss denn nun wirklich zutreffen?

Meines Erachtens eine ganz andere: Der Hund muss es gelernt haben! (Welpen sind eine Ausnahme, die kommen auch so, wenn man nett fragt – aber spätestens beim Junghund gibt es dann das böse Erwachen.)

Gelernt haben, das heißt: Er hat das Verhalten (welches genau?) schon sehr oft ausgeführt, und es war lohnenswert für ihn. Irgendwann geht es dann „in Fleisch und Blut über“, das man kommt, wenn man gerufen wird. Immer, schnell, und in froher Erwartungshaltung.

Damit der Hund rasch und konfliktfrei lernen kann, was wir von ihm wollen, habe ich Euch fünf Tipps aus meinem Training zusammengestellt:

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Ihr kennt die Leute, die auf der Wiese stehen und rumeiern: „Fiffi, hiiiier, jetzt komm, wir gehen, Mensch Fiffi, auf jetzt, Fiffiiiiiiie!“ Wir wollen das Signal konditionieren. Da sollten wir erstmal ein Signal haben.

 

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Und wenn er kommt? Dann tätscheln wir ihm tunlichst nicht den Kopf, beugen uns nicht drüber, sagen auch nicht „na endlich“ oder „ist doch selbstverständlich“. Nein, in der Lernphase gibt es dann eine Party! Bei mir gibt es ein Hundeleben lang zumindest eine kleine Anerkennung, einen Keks, ein Lob. Und am besten wird der Hund dann gleich wieder dahin geschickt, wo er eigentlich gerade hinwollte.

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Kennt ihr auch diese Hunde, die, wenn man sie ruft, sich umschauen und sagen: „was, wo ist das Reh/ der andere Hund?“. Die haben gelernt: wenn Mensch ruft, dann ruft er mich von etwas attraktivem weg. Ruft doch stattdessen öfter mal zu etwas attraktivem hin: Wenn ihr ein Mauseloch entdeckt habt, oder einen tollen Stock, wenn ihr den krümelnden Keks loswerden wollt, oder Bellos besten Freund vor ihm entdeckt habt.

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Fragt Euch mal ehrlich: Welches Szenario hat Euer Hund schon öfter erlebt:

a) du rufst dein Rückruf-Signal – Hund guckt kurz, kommt aber nicht – Hund hat Spaß (mit anderem Hund, dem Reh, dem Mäuseloch…)

b) du rufst dein Rückruf-Signal – Hund kommt sofort – es gibt eine richtig tolle Party

Je öfter dein Hund (a) erlebt, desto weniger wahrscheinlich wird es, dass er kommt. Der Trick ist, die Welt so einzurichten, dass er ganz oft (b) erlebt. Deshalb: wenn du doch schon weißt: das wird nix: Schluck den Rückruf runter. Geh den Hund holen.

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Und zuletzt: Manche Hunde werden mit dem Rückruf regelrecht genervt. Muss der Hund jetzt wirklich zurück? Und wenn ja: Kannst du ihm das auch anders verkaufen? Man kann das Re-framing nennen: gib dem Ding einen neuen Rahmen. Also statt „Mist, ich muss zurück zu Mama“ zum Beispiel „yeah, wir machen einen Wettlauf“ oder „oh, sie hat was tolles vor, nichts wie hin!“

Viel Spaß beim Rufen!