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Gehmeditation ist Meditation im Gehen.
Hundebesitzer gehen jeden Tag.
Was liegt also näher, als Geh-Meditation mit Hund zu probieren?
 
Die Idee kam mir vor einigen Jahren, und vorletzte Woche durfte ich wieder einige Mensch-Hunde-Paare in die Gehmeditation mit Hund einführen

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Ich nenne diese Einführungen gern “Silent Walk”, weil man, während man geht und atmet und sich auf sich selbst und den Hund und das Atmen und die Füße und den Moment konzentriert, nicht auch noch spricht.
 
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Nach einer kurzen Einführung bitte ich die Teilnehmer, die nächsten zehn Minuten nichts zu sagen. In manchen Gruppen kommen sofort Nachfragen: darf ich pfeifen? darf ich Handzeichen machen? darf ich Geräusche machen? – Ich sehe dahinter die Frage, ob Schweigen Kontaktabbruch ist. Oder: ob wir ohne unsere Wort-Signale (Kommandos), ohne unser Sprechen, überhaupt Kontakt zum Hund halten können. 
 
Laut Wikipedia ist Schweigen Kommunikation: 
 
“Schweigen ist eine Form der nonverbalen Kommunikation, bei der nicht gesprochen wird und bei der auch keine Laute erzeugt werden. Im Allgemeinen können trotz des Schweigens vom Individuum als ein Sender bestimmte Informationen mitgeteilt und Bedeutungen gezeigt werden. Eine besondere Verbreitung hat das Schweigen in den Religionen und Rechtssystemen sowie in der Spiritualität.”
 
 
Ich finde beides spannend:
- wie ist es, mit dem Hund schweigend in Kontakt zu bleiben? Vielleicht sogar besser als mit viel Gerede?
- und wie ist es, dem Hund tatsächlich einmal bewusst eine Komunikations-Pause zu gönnen? Fühlen wir uns da verloren? Ist es in Ordnung, wenn der Hund uns mal zehn Minuten seines Lebens “vergessen” darf?  
 
Wie reagiert der Hund auf unser Schweigen? Ist er irritiert? Sucht er mehr Kontakt? Entspannt er? Hatte er all das Gerede eh schon ausgeblendet?
 
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In einer Einführung in die Gehmeditation las ich, wenn man mit anderen geht, die in Gehmeditation unerfahren sind, könnten sie unser Schweigen als unhöflich empfinden. Man solle sie dann gelegentlich anschauen und anlächeln. So handhabe ich es auch mit den Hunden, die ja schließlich nicht wissen, dass sie gerade am Schweigespaziergang der Hundephilosophin teilnehmen.
 
Wie geht es mir mit meinem eigenen Schweigen? Kennt ihr den Spruch “Solange ein Hund im Raum ist, ist es kein Selbstgespräch”? Im Schweigen werden unsere Sinne offener für die Umgebung. Oft kommt aber auch etwas hoch, das wir gar nicht fühlen wollen, das wir lieber schnell weg-reden würden. Traurigkeit vielleicht, oder Sorgen, oder Angst. Wir nehmen diese Gefühle mit – wir tragen sie, wie eine Mutter ihr weinendes Baby trägt, las ich – und gehen weiter. Atmen weiter.  
 
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Ich glaube, man kann von Hunden viel über Meditation lernen: Wie viele Stunden am Tag meditieren Hunde, ohne einen großen Aufriss darum zu veranstalten? Ohne einen bestimmten Platz aufzusuchen, einen Kurs zu machen – sie lassen sich fallen, im wahrsten Sinne des Wortes, und tun es einfach. Sie denken nicht über Einkaufszettel und To-do-Listen nach. Wenn sie den Ball jagen, jagen sie den Ball, wenn sie (fr)essen, (fr)essen sie.  Sie leben viel mehr als wir im Moment.  Und: sie zeigen uns, wenn wir uns mal wieder in unseren Gedankenwelten verlieren! Sie merken ganz genau, ob wir voll und ganz “da” sind. Wer einen Hund hat, braucht keine Achtsamkeits-App, er kann sich von seinem Hund “wecken” lassen. “Hey du”, sagen sie mit jedem Blick, jedem Stups, “Bist du da? Hier bei mir?” – und schlimmer als die Menschen, die das erst gar nicht wahrnehmen, finde ich nur die, die es als “dominant” und “aufmerksamkeitsheischend” auslegen.
 
Habt ihr auch Lust, mal Gehmeditation mit Eurem Hund zu probieren? Wenn ich für Euch zu weit weg wohne, oder ihr erstmal allein probieren wollt, schaut mal hier:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielen Dank an Dominik für das Foto von Rike und mir!

 

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Ein Kommentar

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