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Philosophische

„Haben (unsere) Hunde Moral?“ – unter dieser Überschrift stand der  „Philosophische Spaziergang“ gestern. Die Philosophischen Spaziergänge bestehen aus kurzen Inputs von mir (Fragen, Thesen, Infos), Diskussionsübungen untereinander, und kleinen Übungen oder Experimenten mit den Hunden.

Ich war ziemlich froh, dass zehn Menschen und acht Hunde trotz Terminverschiebung (eigentlich sollte es letzte Woche statt finden, und da war doch Sturm) und trotz Regen und Kälte gekommen sind und mitgemacht haben.

Ich fand es – zumindest außerhalb der Uni – ein bisschen zu trocken, mit der Frage „Was ist denn Moral?“ anzufangen. Stattdessen habe ich Zettel mit einer Menge Schlagworten ausgeteilt: Fairness, Empathie, Schuld, Scham, Altruismus, Egoismus, Vertrauen, Selbstreflexion, Freiheit, Intelligenz, Sprache… und einige Zettel mit Relationen: „hat zu tun mit“, „schließt aus“, „setzt voraus“… . Man musste versuchen, seine eigenen Zettel mit denen der anderen so zu kombinieren, dass sich sinnvolle kleine Sätze ergeben. Und da kamen wir natürlich gleich ganz schön ins Diskutieren!

Setzt zum Beispiel „Moral“ voraus, „ein Gefühl dafür [zu] haben, was richtig und falsch ist“ – oder ist es vielleicht genau anders herum? Gibt es sowas wie „moralisches Fühlen“?

Es ist ja irgendwie lustig, wenn man philosophisch nachdenkt:  man muss immer durch diese Phase hindurch, in der alles noch viel unklarer ist als vorher… man hat Probleme, die man vorher nicht hatte…

Wenn  zum Beispiel Marc Bekoff (in Wild Justice) schreibt: „[Moral ist] eine Reihe von miteinander zusammenhängenden Verhalten, welche die sozialen Interaktionen mit anderen pflegen und regulieren. Zu diesen Verhalten gehören Altruismus, Toleranz, Vergebung, Gegenseitigkeit und Fairness.“ (Marc Bekoff, Jessica Pierce (2009): Wild Justice. The Moral Lives of Animals, meine Übersetzung)

– dann klingt das ja erstmal gut! Aber dann frage ich mich: Echt, ist Moral Verhalten? Ist Altruismus Verhalten? Was heißt denn überhaupt „Vergebung“? Woran könnte ich jemals festmachen, ob jemand vergeben hat? Was heißt Toleranz?   

Schön fand ich auch Richard David Prechts Formulierung: „Wenn wir über Moral reden, so reden wir also darüber, was sozial komplex agierende Lebewesen tun, um miteinander klarzukommen. Auf der Stufe hoch entwickelter Primaten, wie dem Menschen und anderen Menschenaffen, geht es vor allem darum, den anderen (gemäß seiner Stellung in der Horde) zu achten. Und man achtet mehr oder weniger sorgsam darauf, selbst geachtet zu werden.“ (Precht 2016 S. 286) – aber dann frage ich mich: „Achtung“, was heißt das, kann ich das beobachten? Woher weiß ich, worum es Affen oder Hunden (oder Menschen) geht, wenn sie etwas tun? Und welche Rolle spielt das? Wenn sie sich nicht töten, weil töten ihnen zu anstrengend ist – ist das dann schlechter, als wenn sie sich nicht töten, weil sie geachtet werden wollen?

Attraktiv finde ich die Idee, dass Moral gar nicht unbedingt (oder nicht nur?) sowas abstraktes, theoretisches, prinzipiengeleitetes ist, sondern dass wir (und Tiere?) ein moralisches Empfinden haben.

Für sozial lebende Tiere ist zum Beispiel ein Sinn oder Empfinden für Gerechtigkeit und/ oder Fairness von zentraler Bedeutung. Gestern sind wir mit diesen Gedanken zum „Großen Zacken“ gekraxelt – getreu dem Motto des Philosophischen Spaziergangs: „Gedanken sind wie Hunde und kleine Kinder: Sie wollen, dass man mit ihnen spazieren geht” (Christian Morgenstern) –  und da habe ich was über solche „moralischen Gefühle“ erzählt…

[Fortsetzung folgt!]

Buchempfehlungen (Werbelinks):

 

 

Mehr Literatur zu Moral im Tierreich:

Marc Bekoff, Jessica Pierce: „The Ethical Dog“, Scientific American, März 2012, https://www.scientificamerican.com/article/the-ethical-dog/

Frans de Waal: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote – Moral ist älter als Religion

 Arno Widmann: „Nicht nur Menschen sind menschlich“. Interview mit Frans de Waal. Frankfurter Rundschau 08.09.2015. http://www.fr.de/kultur/literatur/frans-de-waal-der-mensch-der-bonobo-nicht-nur-menschen-sind-menschlich-a-417383

Richard David Precht: „Vom tierischen Mitgefühl“, SPIEGEL 41/2008. (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-60883214.html)

Jessica Pierce und Marc Bekoff: „Moral in Tooth and Claw“, in: The Chronicle of Higher Education, OCTOBER 18, 2009, http://www.chronicle.com/article/Moral-in-ToothClaw/48800/ .

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