In Antijagdtraining/ Jagdersatztraining, Apportieren und Dummytraining, Clickertraining, Erziehung und Lernen, Hundeerziehung, Hundepsychologie, Hundetraining, Mensch-Hund-Beziehung, Schipperke, Spielen und Spielzeug, Tibetterrier

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Für die Art, wie ich Hunde trainiere, ist es wichtig, Hunde unterschiedlich belohnen zu können. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass „mit Belohnung arbeiten“ hieße, „mit Futter/ Leckerchen arbeiten“. Es geht nicht ums Futter, es geht um das Gefühl im Hund.

 

 

Was eine Belohnung ist, entscheidet ganz genau einer: der Hund. Der Mensch kann entscheiden, was davon er benutzt oder nicht benutzt, aber wenn der Hund Streicheln in der Situation doof findet, dann ist Streicheln keine Belohnung, und wenn der Hund Pferdeäpfelfressen toll findet, dann ist Pferdeäpfelfressen eine Belohnung für das, was vorher war – ob es mir nun passt oder nicht. 

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Ich will im Training, dass meine Belohnung zur Situation und zum zu belohnenden Verhalten passt:

  • in der Wertigkeit: tolle Belohnungen für tolle Ausführungen
  • in der „Energie„: ruhige Belohnungen für ruhige Aufgaben- oder manchmal auch gerade nicht. Beispiel: will ich ein entspanntes Liegen, so belohne ich mit mittelgutem Futter am Ort. Will ich gespanntes Liegen, belohne ich eher mit fliegendem Spielzeug.
  • zu meinem Programm: Belohnen mit kleinen Futterstücken ermöglicht mehr Wiederholungen pro Zeiteinheit, als ein geworfener Ball, den der Hund erst holen muss
  • zur aktuellen Motivation des Hundes: ein Jagdhund, den ich für die Anzeige von Wild belohnen will, wird oft gar kein Futter nehmen – es passt einfach nicht. Statt Motivation könnte man auch Hormonhaushalt sagen.

Ich empfehle meinen Kunden immer, eine TOP 10 oder TOP 20 – Liste von Belohnungen für ihren Hund zu machen – davon soll maximal die Hälfte fressbar sein. 

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Die nicht-fressbaren Belohnungen – Gegenstände, Aktivitäten, Umweltereignisse – muss ein Hund allerdings als Belohnungsmöglichkeit ersteinmal kennenlernen! Das heißt: er muss erfahren, dass so etwas Spaß macht, und ich muss erkunden, was genau ihm Spaß macht. Auf eurer TOP10-Liste sollte also nicht einfach „Ball“ stehen, sondern zum Beispiel „Tennisball, geworfen“ oder „Knautschball, zum Knautschen überreicht“. 

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Mich könntet ihr zum Beispiel ziemlich gut damit belohnen, mich in einen Starbucks zu bringen. Aber nur, weil ich da schon soundsooft war, weil ich weiß, was es da gibt, und dass ich das mag. Weil ich Assoziationen damit verbinde. Und es wird auch nur funktionieren, wenn es zu meiner Stimmung und Situation passt.

Viele Halter sagen: „mein Hund interessiert sich aber nicht für Spielzeug“. Erstens kann es sein, dass er es nicht gelernt hat (dann kann er es lernen), zweitens kann es sein, dass ihr mit dem Spielzeug nicht Spiel und Spaß verknüpft habt, sondern z.B. Leistung, Gehorsam, oder gar Frust (z.B. wenn der Hund vorm Ballwerfen immer Sitzen muss, oder wenn der Hund das Knautschen toll findet, ihr aber immer erst kilometerweit werft – oder umgekehrt). Und drittens muss es nicht Spielzeug sein, sondern es ist Euer Job, darauf zu achten, was euer Hund toll findet, und in was für Situationen.

Das alles braucht ein bisschen Zeit und Engagement. Wir haben heute zum Beispiel einen Spaziergang gemacht, in dem ich mich ganz darauf konzentriert habe, zu gucken, was die zwei gut finden, und was noch besser. Ausprobiert und geübt habe ich:

  • Tennisball bergab rollen
  • Tenisball ins Maul geben
  • Tennisball besitzen und behalten
  • mit Tennisball zergeln
  • Tennisball werfen
  • Tennisball gegen Futter tauschen
  • Tennisball jagen wie eine Maus
  • Trockenfutter gegeben
  • Trockenfutter zugeworfen
  • Trockenfutter auf dem Boden aufsammeln
  • Trockenfutter durchsetzt mit ein paar Leckerli, dann s.o.
  • Babybrei
  • Handtarget
  • Rückruf/ Pfiff
  • Verlorensuche auf der Rückspur
  • Streicheln, anfassen
  • Knuddeln (wilder), schubsen
  • stimmlich loben, erzählen wie toll sie sind

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Wundert ihr euch, dass Signale („Kommandos“) auf meiner Liste stehen? Das ist einfach erklärt: die Signale sind mit Belohnung aufgebaut, dadurch ist viel Masse von Belohnung mit ihnen assoziiert, und sie sind selber zur Belohnung geworden. Tatsächlich ist das Handtarget für Rike eine super Belohnung z.B. für den Rückruf. Sie führt es dann sehr wild aus, eher eine Art Bodycheck an meiner Hand…  

Nicht nur sind Signale Belohnungen, sondern für manche Belohnungen brauche ich ein Signal, um dem Hund sagen zu können, welches Belohnungsfenster sich jetzt geöffnet hat.

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Á propos: Woher weiß ich denn eigentlich, was für meinen Hund eine Belohnung ist, und was besser als was ist? Natürlich sehe ich, ob ihm etwas Spaß macht – aber als wissenschaftlich fundiert arbeitende Hundetrainerin reicht mir das nicht! Und: kann es nicht auch sein, dass dem Hund z.B. essen Spaß macht, und er das Essen trotzdem nicht als Belohnung für das von mir gemeinte Verhalten versteht? Woher weiß ich also, was eine Belohnung ist? Die Antwort folgt im nächsten Beitrag. ;-) 

Jetzt geht erstmal raus und habt Spaß mit eurem Hund, und behauptet, dass ihr das alles nur macht, um Belohnungen aufzubauen!

 

 

 

 

 

 

 

 

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