In Clickertraining, Erziehung und Lernen, Hundepsychologie, Shaping-Serie zum Mitmachen

In unseren praktischen Übungen waren wir dabei stehen geblieben, dass der Hund fröhlich vor und mit dieser wahnsinnig interessanten Kiste herumtatzt, und wir jede Aktion der Vorderpfoten Richtung Kiste mit Click und Leckerli bestätigen.

Gestern hatte ich Euch als theoretische Überlegung vorgestellt, wie es weitergehen soll: Wir wollen den Hund ein allererstes Mal dazu bringen, die Vorderpfoten beide auf die Kiste zu stellen (um dieses Verhalten dann zu bestätigen). Wir haben dazu vier Möglichkeiten (Verhalten einfangen, formen, locken, erzwingen), und heute wollen wir uns mit den beiden ersten beschäftigen.

„Verhalten einfangen“, ist eine im Prinzip sehr einfache, in der Ausführung aber manchmal ganz schön knifflige Sache. Wir müssen hierzu genau wissen, wie das Verhalten, das wir einfangen wollen, aussieht, und uns insbesondere überlegen, wie es anfängt. Geht es zum Beispiel um das Verhalten „Sitz“, so vergegenwärtigen wir uns, wie genau ein Hund sitzt und sich hinsetzt. Was passiert als allererstes? Die Hinterbeine knicken ein klein wenig ein. Nun heisst es, den Hund ganz genau zu beobachten und darauf zu warten, dass er sich ganz von selbst hinsetzt. Tut er das, so befördern wir so schnell wie möglich, nämlich beim allerersten Einknicken der Hinterbeine, das Leckerli in sein Mäulchen oder clicken und geben das Leckerli dann, loben, verstärken.

Verhalten einfangen ist im Prinzip einfach, weil wir bloß warten, bis das Verhalten von selbst auftritt, und es dann verstärken.

Verhalten einfangen ist in der Ausführung manchmal knifflig, weil wir den Hund über längere Zeit genau beobachten und das gewünschte Verhalten früh erkennen müssen. Wenn er sich nämlich zehnmal hinsetzt, wir es aber erst beim elften Mal mitkriegen, und dann erst wieder beim fünfundzwanzigsten Mal, weil zwischendurch das Telefon geklingelt hat, dann hat der Hund keine Chance zu verstehen dass das angenehme Leckerli irgendwas mit dem Verhalten sitzen tu tun haben soll. Wenn wir jedesmal klicken und verstärken wenn der Hund sich hinlegt, wenn er sich in der Leiste kratzt oder mit den Beinen zuckt, und auch, wenn die Beine einknicken, weil er sich gerade hinsetzt, dann hat er auch keine Chance das zu verstehen was wir ihm sagen wollen. Und wenn wir mit Clicker und Leckerli angespannt vor ihm stehen und ihn anstarren, um nur ja nicht die allerersten Anzeichen des Hinsetzens zu verpassen, dann kann das den Hund so verunsichern, dass er sich zwar vielleicht hinsetzt, um die Situation zu entschärfen, aber so gestresst ist dass er nicht mehr lernen kann.

In unserer Übung gibt es noch ein anderes Problem. Während es nämlich relativ wahrscheinlich ist, dass ein Hund sich irgendwann einmal hinsetzt, und wir dieses Verhalten dann einzufangen versuchen können, ist es nicht so besonders wahrscheinlich, dass – zumindest ein in dieser Form des Lernens unerfahrener Hund (darauf komme ich später nochmal zurück) spontan mal seine Vorderpfötchen auf die herumstehende Kiste setzt und sagt: Na, was hältst Du davon?

„Verhalten einfangen“ eignet sich als besonders gut für natürliche Verhaltensweisen, die ganz von selbst irgendwann auftreten.

Nun haben wir unserem Hund ja bereits die Hilfestellung gegeben, dass er etwas mit seinen Pfoten mit der Kiste machen soll. Wenn einer von Euch großes Glück (oder einen Shaping-erfahrenen Hund, s.u.) hat, kann es passieren, dass Euer Hund jetzt irgendwann mit den Pfoten auf die Kiste steigt. Dann ist es an Euch, dieses gewünschte Verhalten einzufangen und es zu verstärken. Der Hund merkt: Es lohnt sich, das zu tun, und wird es immer öfter tun. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr allmählich ein Signalwort oder eine bestimmte Bewegung oder beides dafür einführen (wie das geht, würde hier jetzt zu weit vom eigentlichen Thema weg führen). Ansonsten könnt Ihr Euch über Euren geschickten Hund freuen und bitte an der nächsten Biegung unseres gemeinsamen Lernwegs auf uns andere warten.

Alle anderen beginnen morgen das gewünschte Verhalten zu formen oder neudeutsch zu shapen.

Showing 4 comments
  • Kathrin mit Jamie

    Wir hängen hier ein bißchen – zwar legt Jamie zwischendurch immer mal beide Vorderpfoten auf die Kiste und wird natürlich soooofort bestätigt, aber richtig verstanden hat sie es definitiv nicht – und es passiert so selten, dass ich mir ein bißchen Sorgen um ihre Motivation mache. Wir freuen uns also auf weitere Tipps zum Shaping!

  • Heike

    Hallo Miriam, habe ich da etwas falsch verstanden? – Seit gestern lauere ich/wir auf eine Fortsetzung – oder haben wir Wochenendpause?
    LG neugierige Grüße
    Heike und Bruno

  • Anonymous

    Auch wir setzen unsere Pfoten aus die Kiste.Und warten auf dennächsten Teil.Frauchen stellt die Kiste in andere Räume und es klappt immer besser.
    LG Karin mit Sunny&Luna

  • Trudy

    *SCHÄM*
    Wir haben 3 TAGE nichts geübt!
    ES war Gartenwetter! Nach der Gartenarbeit ist Frauchen fixifoxi, da fehlt die Geduld für Übungen.
    Aber morgen Sonntag soll es scheints regnen, dann sind wir wieder fit für Shaping! :-)

    LG

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