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Ich werde in letzter Zeit vermehrt zu Antijagdtraining oder Jagdersatz angesprochen, und speziell mit dem Wunsch nach einem zuverlässigen Abbruchsignal. Die „Gretchenfrage“ derer, die ein paar meiner Videos gesehen haben, und/ oder wissen, dass meine kleine Rike dem Hetzen nicht so ganz abgeneigt gegenüber steht, ist: „Kannst du deinen Hund aus dem Hetzen abrufen?“

Ich sehe das in Zusammenhang mit dem medialen Erfolg eines Hundetrainers Coaches, der gern Videos davon veröffentlicht, wie Hunde auf einen Pfiff hin das Hetzen eines Beutetiers abbrechen und sich hinsetzen (oder Zurückkommen).

Tatsächlich war ich vor ein paar Tagen mit meinen frei laufenden (entgegen der Gesetzeslage, übrigens) Hunden im Wald unterwegs, hatte Handy und Pfeife „schussbereit“ und dachte: so ein Video mach ich jetzt auch.

„Guck mal, da riechts nach Wild“, sagte die kleine Rike zu mir, „krieg ich einen Keks?“ „Mir ist warm“, sagte Habca. Das Baby im Tragetuch schlief ein. „Wollen wir was zusammen machen?“, fragte Rike. „Ne“, sagte ich, „geh doch mal Jagen“

„Äh, Frauchen? Hast du nen Sonnenstich?“

Ich ging auf einen ziemlich zugewucherten Weg nahe der Wildfütterungstelle (ich hoffe, hier liest kein Förster und Jäger mit…). „Oh, hier riechts echt nach Wild, Frauchen, soll ich bei dir laufen? Krieg ich Kekse?“, fragte Rike.

„Ich dachte, du willst vielleicht mal, äh, hinterherrennen?“, sagte ich zaghaft, „wegen YouTube und so?“

In dem Moment schritt etwa 20m vor uns ein Hirsch auf den Weg. Die Sonne fiel schräg durch die Bäume. Alles kam mir plötzlich ganz still vor. Rike saß neben mir und sah mich an. Ich sah, wieso Menschen in Zusammenhang mit Rotwild so oft das Wort „majestätisch“ einfällt. Es ist ihre Art, zu gehen. Ihre Art, kurz zu mir hinüberzuschauen. Ich vergaß das Handy. Ich kam zur Vernunft.

„Ok, Rikchen, nur noch mal kurz for the record: Hetzen ist doof und Beunruhigen von Wild ist tierschutzwidrig und ich finde es prima, dass du dich für all das interessierst, mich interessiert es auch, danke, dass du es mir zeigst. Wir können jetzt was zusammen machen, und du kannst auch gern da vorne noch rumschnuppern, wo dieses wunderschöne, beeindruckende Tier eben war, aber dann gehen wir wieder auf den großen Weg und lassen die Rehe Rehe sein.“ Und ich sagte, aber ich bin nicht sicher, ob sie mir da noch zuhörte: „Das Ego, sogar das von Hundetrainern, ist nur eine Illusion, und die Leine ist keine dumme Erfindung, und es muss auch gar nicht jeder immer überall spazieren gehen können, weißt du? Kontrolle ist nur eine Illusion. Und trotzdem versuchen wir, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Das hat wenig mit Spiritualität zu tun, und viel mit Training. Wir wissen heute soviel darüber, wie Lernen funktioniert, wie Gehirne funktionieren, und trotzdem führen wir uns manchmal auf wie kleine Kinder, die das mit der Schwerkraft immer und immer wieder testen wollen, und Wutanfälle kriegen, wenn die Gegenstände dann tatsächlich runterfallen. Es macht aber keinen Sinn, Schwerkraft doof zu finden. Es macht keinen Sinn, Konditionierung doof zu finden. Es findet statt, mit oder ohne mich. Ich muss auch nicht mein Leben ändern, um einen vernünftigen Rückruf zu konditionieren, und ein Rückruf, der nicht funktioniert, wenn es darauf ankommt, ist halt schlicht und einfach schlecht trainiert.“

„Frauchen“, unterbrach Rikchen mich da, „ich glaube, wir gehen mal aus der Sonne“.

 

Ok, die Überschrift war ein kleines bisschen Click-Baiting. ;-) Was ich damit sagen will: Darum geht es nicht! Hetzen macht man nicht, und im Training geht es nach meinem Verständnis darum, dem Hund sinnvolle Alternativen zu bieten, bei denen keiner zu schaden kommt.

Um Euch nicht zu sehr zu enttäuschen, gibts aber trotzdem ein Filmchen: Rike im Wald, ohne Leine (überwiegend), ohne Rehe (überwiegend), mit ein bisschen Rückruf. ;-)