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Dass Hunde Ware sind, dass verdrängen wir gerne, und in Deutschland fällt das leichter als anderswo, weil Hunde nicht in Geschäften verkauft werden dürfen.

In Frankreich zum Beispiel gibt es Salons du Chiots – Welpenausstellungen, die durchs Land touren und in Ausstellungshallen Welpen aller Rassen zeigen, die man dann vor Ort auch erwerben kann.

Ich wollte mir das in unseren Bretagneferien gerne einmal anschauen, Welpen gucken ist ja nunmal immer schön, auch wenn ich um mein allzu weiches Herzchen weiß. Am Eingang stellte sich heraus, dass Habca und der Fotoapparat nicht mit hinein durften, also ging ich alleine „mal kurz gucken“.

Es roch nach Urin und Stroh. Familien liefen umher. Hasenkäfige – darin Chihuahawelpen, Papillonwelpen, Rehpinscherwelpen. Gitter trennten Bereiche ab, in denen der Boden mit Stroh bedeckt war. Darin buntgemischte Welpen, schlafende Labradorbabies, tollende Pudelchen, natürlich lauter winzige weiße Fellbüschel verschiedenster Rassen. Trinkflaschen am Gitter. Ein Verkäufer mitten im Gewusel, Mütter zeigten auf irgendein Tier, er hob es hoch und drückte es den Kindern in den Arm, die immer gleichen Vorzüge des Hundchens erklärend. Eine aufblasbare Spielburg, ein Trixie-Verkaufsstand, am Rand aus unerfindlichen Gründen ein Pony, ein Esel, ein Schaf. Etwas abseits ein Mann mit Pitbull und Amstaffwelpen, ein wenig teurer als der Rest. Kläffen und Babiebellen überall. Rechts eine Horde hinreisender Deutscher Schäferhundwelpen. Jagdhunde in kleinen Umzäunungen, Kinderhände überall. Ein riesiges, tollpatschiges Neufundländerbaby darf durch die Besuchergruppen tapsen.

Dann, nahe dem Eingang stehe ich an einem Stand mit niedlichen allerkleinsten Kleinhundbabies in Käfigen. Menschen rufen niedliche Dinge aus. Am Rand dieses Standes noch ein Käfig. Darin ein schwarzes Pudelchen, noch sehr klein. Es läuft hin und her, hin und her. In dem Lärm, dem Uringeruch, dem Bellen, den Kinderschreien. Hin und her an seinem Gitter entlang. Es ist allein. Vielleicht ist sein Brüderchen oder Schwesterchen schon verkauft? Die Hundemütter, sehe ich später, sitzen in Autos auf dem Parkplatz und kläffen. Das Pudelchen läuft hin und her, aber niemand beachtet es, alle laufen an ihm vorbei zu dem niedlichsten kleinsten Kleinhundwelpen.

„He, Pudelchen“, sage ich leise, und hocke mich vor seinen Käfig. Ich hatte beschlossen, nicht bei dem allgemeinen Hundebetatschen mitzumachen. Aber jetzt strecke ich meine Hand in seinen Käfig. „Es wird jemand kommen“, flüstere ich ihm zu. Das Pudelchen bleibt stehen, schaut mich an, riecht an meiner Hand, leckt sie ab. „Du wirst eine Familie finden“. Mit der Verzweiflung eines Babies springt das Pudelchen auf meinen Arm, klammert sich fest. Es ist dünn, und auf eine Weise weich und warm, wie es nur Pudel sein können. „Du wirst ein schönes Leben haben.“ Es ist kein Verkäufer am Stand zu sehen, ich hocke da, das Pudelchen fest an meinen Arm geklammert. Ich beginne mit ihm zu spielen, es nimmt vorsichtig meine Hand ins Maul. Ich spüre Tränen hinter meinen Augen und bleibe bei ihm, erzähle ihm von seinem schönen Leben, verspreche ihm vieles, und natürlich denke ich auch über die 400 Euro nach, die es kosten soll, natürlich frage ich mich, wie Habca ein Pudelchen gefallen würde, natürlich überlege ich, wie ich es ausbilden würde, was ich ihm alles beibringen würde.

Irgendwann wird ein kleines Mädchen auf unser lustiges Spiel aufmerksam. Sie bleibt stehen, streckt ihre Hand in den Käfig. „Da, schau“, sage ich zum Pudelchen, „vielleicht ist sie das, deine Familie“, und ich schubse ihn sanft zu der Kinderhand. Stehe auf, lächle die Familie an, gehe raschen Schrittes hinaus. Ich weiß, dass das Hündchen mir nachsieht.

Ich denke noch tagelang an ihn. Ich fühle sein weiches Fell noch.

Heute träume ich nur noch manchmal von ihm. Davon, wie ich ihn uf dem Arm halte, und ihm das Beste verspreche. Wie ich mit ihm und Habca über eine Wiese laufe, lachend.

Showing 6 comments
  • Veronique, Dobby & Lynn

    oh mann… ich musste weinen… das hast du schön geschrieben. es schmerzt sich all diese hunde dort so vorzustellen… *schluchz*

  • Wurschti

    Sehr bewegend, deine Gedanken!

    Aber mal von der anderen Seite aus betrachtet: Was kann einem kleinen schwarzen Pudelchen schon passieren, nachdem du ihm ein perfektes Leben versprochen hast?

    Aufmunternde Grüße vom Wurschti-Herrchen

  • Indigo

    ich darf gar nicht daran denken….
    schief Silvie

  • Noelle

    Schnief *taschentuchbrauch*

    Dany

  • Jürgen

    Schön geschrieben.

    Wäre mir aber auch ähnlich gegangen, ich hätte auch überlegt die arme Nase mitzunehmen.
    Zum Glück gibt es solche Verkaufsmessen nicht bei uns, und dadurch auch nicht diese Art von Massenhundevermehrer wie in Frankreich, Niederlandes usw.. Es ist ja nicht nur das Elend für die Welpen die wie ein Plüschspielzeug verkauft werden, sondern auch das Elend der Zuchthündinnen die meist nichts anderes als die Zuchtstation in ihrem Leben gesehen haben, und wenn sie nicht mehr zur Zucht taugen aussortiert werden.

  • Anonymous

    Oh Mann, mir ist ganz schlecht geworden von diesem Post! Und Nein, ich hätte wahrscheinlich nicht deine Kraft gehabt, das Pudelchen nicht mitzunehmen und hätte damit natürlich nur weiteres Elend erzeugt. Und sowas hält sich für ein zivilisiertes Land – einfach lächerlich!
    Traurige Grüße
    Petra

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