In Angst, Habca, Hunde-Ohren, Hunderassen, Tibetterrier, Tierarzt

Habca hat seit ein paar Monaten eine „Sache“ mitten auf dem Nasenrücken. Anfangs dachten wir, es sei ein Pickelchen, oder eine Zecke. Dann wuchs es: eine Warze? Medizinische Worte sind da gleich so erschreckend: eine „Umfangsvermehrung“, ein „Tumor“ gar. Jedenfalls musste das Ding weg, es war nicht schön, es störte sie, und es beunruhigte uns.

Aber: Ding-auf-der-Nase-weg heißt: Vollnarkose. Und Habca ist zwar fit, aber ja schon zehn. Und dann kroch aus meinem Unterbewussten ein gut verdrängtes Geheimnis auf: Als Habca vor fünf Jahren und vor zwei Jahren not-operiert werden musste, sagte man mir aufgrund von schnell erstellten Röntgenbildern: Habcas Herz sei (zu?) groß, das könne ein Narkoserisiko sein.

Habca und ich waren daher bei einem Herzultraschall in der Tierklinik in Kalbach. Super fand ich schonmal, dass Habca nicht auf dem Rücken liegen musste, sondern auf der Seite – der Schallkopf wird durch ein Loch im Lagerungskissen geführt. Die Maus und ich nehmen uns nicht viel in unserer Angst vor (Tier-)Ärzten – und ich denke es spricht für die Ärztin und die Untersuchungsatmosphäre, das Habcas Puls im Laufe der Untersuchung von 180 auf 80 absank. Ich glaube, am Ende wäre sie fast eingeschlafen. Rikchen übrigens lief währenddessen im Untersuchungszimmer herum, und ich musste immer mal schnell gucken, dass sie nicht irgendwelche Kabel anknabberte…

Als aufgeregter Laie ist das mit Ultraschallbildern ja immer so eine Sache. Ihr wisst was ich meine? „Da ist der linke Vorhof“, sagt die Ärztin dann, und zeigt auf eine wolkige Struktur, „da ist die Soundso-Klappe“, „die Linie hier sollte wie ein M aussehen“. Am schlimmsten finde ich immer, wenn sie dann einen Moment gar nichts sagt. Dann denke ich: Jetzt kommt. Jetzt sieht sie was Schlimmes. Jetzt sagt sie gleich sowas wie „ich hole mal einen Kollegen“.

Es machte die Gesamtsituation nicht besser, dass ich zuletzt mit Nomi in diesem Raum gewesen war.  

Ich habe deshalb einen Moment gebraucht, um mitzukriegen, dass die Ärztin und ihre Helferin darüber scherzten, wie perfekt Habcas Herz aussieht und seine Arbeit mache. „Wie im Lehrbuch!“, „was für Maße!“, „alles genau im Normbereich!“, „sie könnte ein Herz-Modell sein!“.

„Mit dem Herz kann sie noch hundert Jahre leben“, sagte die Ärztin am Ende lächelnd, und legte mir die Hand auf die Schulter. Sie erwähnte noch, dass es in den letzten Jahren neue Erkenntnisse gab zu Hunderassen, die größere, aber gesunde, symptomfreie Herzen haben. 

Letzte Woche kam dann also „das Ding“ weg, und ich ergriff die Gelegenheit und ließ Habcas Zähne sauber machen und die Ohren gründlich reinigen – das findet sie immer so furchtbar, und schlägt sich so oft mit irgendwelchen Ohrensachen herum.

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Ich musste nur noch diesen fürchterlichen Moment überstehen, wenn der Hund die Narkosespritze kriegt, und in meinen Armen zusammensackt, und die Zunge rutscht aus dem Maul, und die Ärztin trägt sie weg, als wenn alles in Ordnung wäre, und es eine Kleinigkeit, meinen Seelenhund so wegzutragen. Ich musste nur noch endlose zwei oder drei Stunden warten und versuchen, mir keine komischen Gedanken zu machen.

Dann war es schon überstanden, und eine etwas torkelige Habca-Maus mit zahnpastawerbungweißen Zähnen, einem perfekten (rasierten) Nasenrücken und blitzblankem Ohrinneren landete wieder in meinen Armen. Der Zahnarzt sei ganz begeistert gewesen, mit Stolz wurden mir fiese Sachen, die man aus dem Ohr gepult hatte, vorgezeigt, und die Nase ist mit einem klitzekleinen Stich zugemacht, dessen Faden wir bald selbst ziehen sollen.