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Was auch immer man trainieren möchte – wenn man Fortschritte machen, etwas erreichen will, und das Training sinnvoll planen, dann kommt man nicht umhin, zu dokumentieren, was man gemacht hat. 

„Mantrailing“ ist, wenn man es sich genau überlegt, eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Es ist eine match-to-sample-Aufgabe in denkbar komplizierter Anordnung. Man kann zahllose Schwierigkeiten einbauen, und oft genug tauchen auch noch Schwierigkeiten auf, die man gar nicht geplant hatte. 

Für den ambitionierten Trainer ist Mantrailing (so wie ich es verstehe) deshalb so spannend (finde ich), weil man den Hund fast ausschließlich über die gelegten Trails ausbildet: man fragt sich, aus welchem Trail der Hund das lernen wird, was er gerade lernen soll, was er braucht, oder was ihm nützt. 

Für den faulen Trainer ist Mantrailing übrigens deshalb interessant, weil es

  • gerade angesagt und nachgefragt ist
  •  oft lange nicht auffällt, wenn man es schlecht macht, und der Hund z.B. gar nicht kapiert, um was es geht
  • Kunden Fehler/ mangelnde Vorbereitung/ fehlendes Wissen oft nicht bemerken, weil sie es gar nicht sehen können, und weil man immer irgendeine Erklärung findet, warum der Hund das jetzt so gemacht hat. Schon mehrmals habe ich Kunden anderer Trainer übernommen, und fand, dass der Hund (in diesem veränderten Kontext) überhaupt nicht wusste, was er machen soll. 

Aber zurück zu den ambitionierten Trainern. ;-) Viele trailen ja auch ganz ohne Trainer (meine persönliche Meinung: kann man mal machen, aber es dauerhaft so zu machen, dass es den Hund auch weiterbringt, ist schwierig), bzw. sind sich selbst ihr Trainer. Ich versuche es in meinen Gruppen so zu handhaben, dass ich die fortgeschrittenen Trailer in die Planung der Trails und damit die Ausbildung des Hundes mit einbeziehe. 

Sinnvoll planen kann man nur, wenn man weiß, was man schon gemacht hat. Deshalb ist es beim Mantrailing unumgänglich, sich Notizen zu machen, was das Hund-Mensch-Team wann gemacht hat. 

Wichtig beim Dokumentieren finde ich immer: nicht zu viel, und nicht zu wenig aufschreiben.

Nicht zu viel, denn:

  • wenn es zu aufwändig ist, z.B. eine Tabelle auszufüllen, lasse ich es lieber gleich ganz sein
  • zu viele Daten sind schwerer auszulesen, weniger übersichtlich
  • manche Informationen brauche ich gar nicht
  • es dauert zu lange

 Nicht zu wenig, denn

  • dann fehlt mir vielleicht die entscheidende Information
  • dann kann ich Informationen nicht mehr zuordnen

Ich habe noch ein drittes Kriterium: Für mich muss Dokumentation auch hübsch sein, und/ oder Spaß machen. Ich bleibe sonst nicht dran, und ich gucke es mir natürlich auch lieber an, wenn es hübsch ist!   

Dass Gute daran, dass Mantrailing derzeit so im Trend ist, ist, dass es auf einmal ganz viele Angebote drumherum gibt: spezielle Mantrailing-Geschirre, Mantrailing-Leinen… und auch Mantrailing-Dokumentationshilfen und – vorlagen. (Bestimmt gibt es bald auch spezielles Mantrailing-Hundefutter, oder?).

Ich will Euch hier vier Varianten der Mantrailing-Trainingsdokumentation vorstellen:

  1. das Mantrailing-Trainings-Tagebuch von Easy Dogs
  2. das Mantrailing-Notizbuch vom DrehPunkt-Verlag
  3. eigene freie Dokumentation
  4. Dokumentation mit der Mantrailing-App

Es gibt noch mehr Trainingstagebücher und Ausfüllhilfen, aber das sind meine vier Favoriten. Die Bücher wurden mir nicht zu Werbezwecken zur Verfügung gestellt, sonder ich habe sie selbst gekauft, um Euch neutral zu berichten. 

 

Mantrailing-Trainings-Tagebuch von Easy Dogs

Easy Dogs ist ein Unternehmen, das Hundeschulen betreibt, Seminare und Webinare anbietet, und mit dem Easy Dogs Hundebuchverlag Zubehör für Hundeschulen und Hundebesitzer anbietet, darunter eine Reihe von Trainingstagebücher für verschiedene Hundesportarten. Die Tagebücher sind handlich (10,5 x 14,8 cm) und robust, so dass man sie gut dabei haben kann. Durch die stabile Metall-Spiralbindung lassen sich die Seiten gut umschlagen. 

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Zu Beginn des Buches wird ganz kurz an die wichtigsten Trainingsgrundlagen erinnert. Dann folgen Seiten, auf denen man Termine, Belohnungsmöglichkeiten und verwendete Signale eintragen kann. Im eigentlichen Tagebuch-Teil sind zwei gegenüberliegende Seiten pro Trail vorgesehen. Es gibt Felder für

  • Trail-Nr
  • Datum
  • Trainingsschritt
  • Ort
  • Uhrzeit
  • Dauer
  • Temperatur
  • Wetterlage
  • Zielperson
  • Begleitperson
  • Umgebung
  • Untergrund
  • Geruchsträger
  • Motivation
  • besondere Schwierigkeiten

Teilweise gibt es zu diesen Punkten noch Auswahlmöglichkeiten zum Ankreuzen. Dann gibt es je ein Feld für „Nächste Trainingsschritte“ und „Notizen/ Bewertung“, sowie etwas Platz für eine Skizze.  

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Die verwendeten Begriffe werden erklärt, und es gibt ein Ausfüllbeispiel. Auf diese Weise kann man 35 Trails dokumentieren (insgesamt 86S).

Die Gestaltung ist übersichtlich, das Ausfüllen geht daher recht schnell.  Mir fehlt etwas mehr Platz zum Zeichnen, oder um mal einen Kartenausdruck einzukleben. Dafür hätte ich ein paar der Ankreuzfelder nicht gebraucht. Á propos Ankreuzfelder: ich bin da etwas zwiespältig. Zum Beispiel bei der Körperhaltung der Versteckperson finde ich es gut, da immer die Auswahl vor Augen zu haben, weil es sich so schnell einschleicht, dass man die Person immer nur hinterm Baum hocken lässt. Wenn man daran beim Ausfüllen jedes Mal erinnert wird, fällt es auf.  Bei den „Schwierigkeiten“ stört es mich dagegen, immer die ganzen Optionen vor Augen zu haben. Menschen neigen meiner Erfahrung nach eh dazu, beim Trailen spannende Sachen machen zu wollen (was ich ja auch verstehe). Wenn ich dann bei jedem Trail sehe, was man noch alles hätte machen können (Backtrack! frische Trails kreuzen ältere! Negativ! Line Up!) dann fürchte ich, dass das noch mehr dazu führen wird, die Basis zu vernachlässigen. Es macht aber keinen Sinn, den Hund vor Schwierigkeiten zu stellen, ohne eine solide, sichere Basis. Und die braucht Zeit und Wiederholung. Die genannten Schwierigkeiten kann man mal machen, und, ja, das macht Spaß (vor allem dem Menschen) – aber wenn man sie sich immer wieder vor Augen führt, sehe ich die Gefahr von Event-Trailen und Überforderung des Hundes. (Tim Schmutzler hat gerade einen schönen Artikel zu diesem Problem veröffentlicht.

Davon abgesehen ein sehr praktisches kleines Buch, das auch von Profis verwendet wird (mehr Rezensionen siehe hier). Für 10,95€ könnt ihr es direkt bei Easy Dogs, bei den Easy Dogs Vertriebspartnern oder auch über Amazon beziehen.

Mantrailing-Notizbuch vom DrehPunkt-Verlag

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Dieses Büchlein hat dasselbe Format wie das oben beschriebene, eine vergleichbare Spiralbindung aus Metall, ist gut aufklappbar und gut mitzunehmen. Hier enden die Ähnlichkeiten, denn dieses Buch ist als Ergänzung zur DVD der Autoren (Harmke Horst und Ina Ziebler-Eichhorn sind Hundetrainnerinnen und führen beide auch Einsatzhunde, Alun Williams ist Polizeitrailer in den USA) gedacht. Es lässt sich aber auch sehr gut ohne die DVD benutzen. Es enthält nicht einfach leere Protokolle, sondern gibt Trainingsschritte vor. Man kann dann jeweils fünfmal abhaken oder eintragen, wann man die Übung gemacht hat. Am Ende der Seite wird nochmal formuliert, wann man zum nächsten Schritt – zur nächsten Seite – weitergehen kann. Die fortgeschrittenen Übungen kann man dann in beliebiger Reihenfolge machen.  

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Durch diese vorgegebene Reihenfolge und die vorgegebenen Aufgaben ist das Buch ein richtiger kurzer Ausbildungsleitfaden. Ich finde es damit gut geeignet für Menschen, die allein mit ihrem Hund trailen, oder unerfahrene Hundetrainer, die damit gut an die Hand genommen werden. Genau der oben diskutierte Fehler, zu schnell zu viele Schwierigkeiten zu machen, wird so vermieden.

Mit diesem Buch werden aber nicht einzelne Trails dokumentiert. Zwar gibt es noch ein paar leere Seiten für Notizen, Skizzen etc., und man kann Namen von Versteckpersonen oder Termine notieren. Man kann aber nicht nachvollziehen, wie z.B. beim letzten Negativ das Wetter war, ob die Versteckperson meistens hockt, oder ob der Hund regelmäßig Probleme hat, mit dem Wind zu arbeiten.

Die Zielsetzung des Buches ist damit eine ganz andere, obwohl beide Mantrailing-Training sinnvoll dokumentieren. 

Dieses Buch ist für 9,90€ bei Amazon erhältlich.

 

Eigene freie Dokumentation

Ich traile mit Habca seit 2008, seit 2010 gebe ich Kurse. Derzeit betreue ich gut 30 Teams bei ihrem wöchentlichen Trailen. Klar, dass ich da schon einiges an Dokumentation ausprobiert habe.

Am Anfang habe ich viel mehr aufgeschrieben. Ich hatte mehr Zeit, und weniger Erfahrung. Heute weiß ich recht genau, was mir wichtig ist, und lasse alles andere weg. Dann fehlt mir vielleicht mal eine Information, aber ich habe immerhin überhaupt was aufgeschrieben!    

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Für Habca hatte ich zu Beginn Excel-Tabellen, die wir uns jeweils ausgedruckt haben. (Sie hat mit Dixie angefangen zu trailen, dem inzwischen leider verstorbenen Hund von Diana Peters und Patrick Atamaniuk). Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mit weniger Vorgaben besser zurechtkomme, und habe Blanko-Ringbücher verwendet. Da konnte ich zeichnen und Karten einkleben so viel ich wollte. Manchmal habe ich das Wetter aufgeschrieben, manchmal eher Überlegungen dazu, warum etwas jetzt geklappt hat oder nicht.  

Für meine ersten Kunden habe ich ein Trainingstagebuch zum Ausfüllen entworfen und bei so einer Internet-Druckerei drucken lassen. Im Prinzip kann man sich das ja in jedem Copy-Shop selber machen. Meins war im DIND A5-Format, jeweils eine Seite zum Ausfüllen und eine leer kariert zum Zeichnen oder Karten einkleben: 

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Ich habe es für damals 7€ verkauft, und einige Kunden haben es gekauft – ich habe es aber nie einen benutzen sehen…

Für Rike notiere ich nicht jeden Trail, sondern wichtige Übungen, Besonderheiten, Ideen und Pläne. Das mache ich zuhause am Computer mit Evernote, dem Programm, mit dem ich eh mein ganzes Leben organisiere. Hier kann ich leicht auch Kartenausschnitte, gpx-Dateien, Fotos und Filme einfügen.

 

Ich habe für Rike zusätzlich das Moleskine „Passion-Journal“ für Hundehalter, in dem ich auch die Rubrik Mantrailing eingeführt habe. Das ist eher so ein Erinnerungs-Büchlein mit Fotos und Notizen, so dass ich auch was Schönes zum Durchblättern habe. Aber wenn ich wissen will „wann hat sie nochmal ihre erste alte Spur gearbeitet, und wie alt war die genau“ – dann schaue ich bei Evernote. 

Auch die Fortschritte meiner Kunden notiere ich bei Evernote.

Aber manchmal blättere ich mein altes Mantrailing-Ringbuch durch, und denke: „Boah, ist das schön“ und „Wahnsinn, wie viel Zeit ich hatte“ oder „… mir genommen habe“. Seht ihr, ich habe mir extra Baum-Stempelchen gekauft. :-)

Ich bin mir sicher, dass ich beim Zeichnen und Notieren viel gelernt habe.

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Das letzte Bild zeige ich Euch zugegebenermaßen nur, um zu beweisen, dass auch Harmke Horst mit ihrer Tick mal bei mir getrailt hat. Ist allerdings laaange her.

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So, und weil der Artikel jetzt schon so lang geworden ist, folgt die vierte Variante, Dokumentation mit der Mantrailing-App, in einem zweiten Teil!

 

 

 

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