In Habca, Hunde-Bücher/ Hundezeitschriften, Hundehalter, Mensch-Hund-Beziehung, Philosophisches zu Hunden, Tod des Hundes

Manchmal liegt ein Thema in der Luft.

Heute habe ich bei Hundekrimnitz und bei Dixie über die Traurigkeit nach dem Tod eines Hundes gelesen. Der Pfötchenblog hat seine unglaubliche Geschichte über den Tod eines Hundes zu Ende gebracht. Und bei Xing habe ich eine Sterbebegleiterin für Hunde kennengelernt. Ich bin auch bei amazon über eine ganze Reihe Bücher zum Thema gestolpert, die mir vorher noch nicht aufgefallen waren. Bei Linda Tellington-Jones gab es vor ein paar Tagen einen Artikel zur Kommunikation mit verstorbenen Tiere, ich weiß noch nicht recht, was ich davon halten soll.

Eine Psychologin, mit der ich mich vor ein paar Wochen unterhielt, sagte ziemlich unvermittelt zum Ende unseres Treffens: „Das letzte, wirklich große Tabuthema in unserer Gesellschaft ist nicht Sexualität, es ist der Tod.“

Natürlich, der eigene Tod, der Tod von Freunden und Familie, ist etwas, an das wir kaum zu denken wagen. Der Tod ist soweit tabuisiert, dass wir ihn kaum mitbekommen, er geschieht im Stillen, Verborgenen. Eine Gesellschaft, die im Internet, im Fernsehen und im Bus noch jede Körperflüssigkeit, jede Sexualpraktik und jeden Verdummungszustand nicht nur preisgibt, sondern geradezu zelebriert – hat zum Tod nichts zu sagen.

Es sind unsere Haustiere, die uns den Tod vor Augen führen. Sie verschwinden nicht, wie es Opa und Oma und Kindergartenfreund tun. Sie konfrontieren uns mit Schmerz und Elend, mit der oftmals dreckigen, unschönen Realität des Todes. Und ich glaube, dass wir genau deshalb sehr schnell bereit sind, „dem ein Ende zu bereiten“, „das Tier zu erlösen“, oder, wie ich schon oft Tierärzte sagen hörte: „für das Tier das zu tun was wir in der Humanmedizin nicht tun dürfen“: Weil wir glauben das nicht mit mitansehen zu können, es nicht ertragen zu können. Weil wir die Augen verschliessen wollen vor dem, was auf uns alle (in verschiedener Form) zukommt.

Es geht, so wage ich zu behaupten, gar nicht darum, dem Tier etwas zu ersparen. Es geht darum, uns selbst etwas zu ersparen. Etwas, das wir auch nie die Gelegenheit hatten zu lernen: Bloß dasein, und nichts tun zu können. Ausharren mit dem Leidenden. Verlust erleben. In die Traurigkeit hineinzugehen, sie sich zuzumuten, als etwas, das zu unserem endlichen Leben dazugehört. Abschied nehmen. Abschied für immer. Dazu fehlen uns die Worte, es fehlen uns die Gesten, es fehlt uns der Mut.

Ich glaube, dass wir am Sterben unserer Tiere etwas Lernen können. Wenn wir es wagen, uns darauf einzulassen.

Ich habe nicht nur Lieblingsbücher, ich habe auch Lieblingsbuchtitel. Dazu gehört: We Give Our Hearts to Dogs to Tear. Vom ersten Tag an, den ich mit Habca lebte, lebte ich in dem Bewusstsein, dass ihre Lebensspanne (ungerechterweise?) höchstwahrscheinlich kürzer bemessen ist als meine. Im vollen Bewusstsein dass die Trauer um sie unerträglich sein wird gebe ich ihr alles an Liebe und Hingabe was ich habe. Mit Demut reiche ich diesem kleinen Hund mein ganzes Herz, und weiß, sie wird es zerreissen. Und vertraue darauf, dass es heilen wird, und glücklich sein, so sehr geliebt zu haben und so sehr geliebt worden zu sein.

 

 

Showing 6 comments
  • Veronique, Dobby & Lynn

    ich persönlich kenne nur leute die ihre tiere so lange am leben hielten bis gar nichts mehr ging, weil sie sie nicht loslassen wollten. und diese tiere haben tatsächlich gelitten, konnten nicht mehr laufen, haben in ihr bett gemacht weil sie keinen schritt tun konnten. wenn das feuer in den augen erlischt und es nur noch qual ist, sollten, nein müssen wir dies unseren tieren erspahren! denn gäbe es die vielen medikamente nicht und die natur würde dies erledigen, würden viele tiere schon vorher sterben.
    ich liebe deinen blog und deine beiträge, aber hier bin ich nicht deiner meinung. was es aber auch spannend macht!…

  • Dixie

    Komisch, wie unterschiedlich wir das Gelesene wahrnehmen :)
    Ich habe gelesen das du, Miriam, im angebrachten Einzelfall durchaus einem Tier das physische Leiden ersparen wuerdest (das habe ich mir jetzt so aus den Fingern gezogen), dass dir aber die allzu schnelle Bereitschaft das Tier zu „erloesen“ missfaellt. Da stimme ich dir zu.

    Den Umgang mit dem Tod selbst bereitet mit keine Probleme, ich akzeptiere den Schmerz und die heilende Trauer. Probleme bereitet mir eher der Umgang mit Trauernden, ihren Schmerz zu fuehlen, Worte des Trostes zu finden. Ich glaube du weisst was ich meine.

    lieben Gruss,
    Diana

  • Miriam

    Liebe Veronique, liebe LeserInnen,

    ich habe eben beim Spaziergang auch nochmal darüber nachgedacht, dass man den Post so verstehen kann als sei ich gegen Euthanasie bei Tieren. Bin ich nicht. Ich bin allerdings auch nicht dafür. Und das gerade-so-am-Leben-erhalten-
    durch-Medikamente ist noch eine dritte Sache.

    Ich glaube, dass es eine extrem schwierige und individuelle Entscheidung ist, wann und wie wir unsere Tiere gehen lassen. Meiner Erfahrung nach ist die Einschläferung oft zu schnell bei der Hand.

    In diesem Sinne wünsche ich uns allen gute Entscheidungen. Wir werden uns, so wie die Welt eingerichtet ist, nicht drücken können über das uns anvertraute Hundeleben eines Tages zu entscheiden. Das Leiden zu bemessen, das wir uns und anderen (Menschen und Tieren) zumuten.

    Hätten wir mehr Erfahrung mit Tod und Sterben, könnten wir mehr darüber sprechen, würden wir weniger wegsehen und wegwischen – dann wäre es vielleicht leichter, diese Entscheidung einmal selbst zu treffen.

    Herzlich,
    Miriam

  • Veronique, Dobby & Lynn

    jeder interpretiert noch seine eigenen erfahrungen in das hineien was er liest… (oder ich tu das zumindest).
    so wie du jetzt noch schreibst kann ich das unterschreiben. doch wieder einer meinung! =O)
    wollte dich auch nicht kritisieren, hoffentlich kam das nicht so rüber!

    lieber gruss

  • Ulli

    Liebe Miriam,

    es freut mich sehr, dass du unseren fünfteiligen Blogartikel verlinkt hast und kann nicht anders, als zusätzlich auf zwei meiner früheren deutlichen Stellungnahmen zu diesem ernsten Thema hinzuweisen.

    http://pfoetchenblog.wordpress.com/2009/01/25/der-ist-ja-schon-alt/

    und

    http://pfoetchenblog.wordpress.com/2009/02/01/toffee/

    machen deutlich, was ich von Menschen halte, die sich aus reiner Bequemlichkeit frühzeitig ihres Tieres entledigen.

    Bei einer Entscheidung über Leben oder Tod des anvertrauten Tieres ist es hilfreich und dringend anzuraten, sich zu fragen, ob man seine eigene Euthanasie verlangen würde, befände man sich im gleichen gesundheitlichen Zustand wie das Tier.

    Verwunderung könnte das Ergebnis sein.

    Liebe Grüße,
    Ulli

  • Emil

    Ich habe ja nun schon Sterbegleitung bei Mensch und Tier hinter mir. Ich hatte z.B. 5 Nächte einen an Lungenkrebs erstickenden Hund im Arm und ich habe ihn dann „erlösen“ lassen, weil ich ihm (und uns) den schlimmen Erstickungstot ersparen wollte. Der Schmerz dieses Leid mitzuerleben, wenn man weiß, man kann nichts mehr tun, ist so unerträglich groß…der Schmerz DIESE endgültige Entscheidung zu treffen aber auch.
    Ich habe vor kurzer Zeit einen Menschen im Sterben begleitet, der bei jedem Besuch weinend um Sterbehilfe gebettelt hat. Man sitzt da und denkt nur, meinem Hund konnte ich das grausame Leid ersparen – einem geliebten Menschen nicht.
    Und nein, mit jedem Hund den ich beerdigen muss, wird der Abschied schlimmer. Man bekommt keine Routine im Umgang mit dem Tod, ganz im Gegenteil.

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