In Angst, Erziehung und Lernen, Hundepsychologie, Philosophisches zu Hunden, Tierphilosophie, Tierpsychologie, Verhaltensforschung

Hatten Eure Hunde am Freitag Angst vor der Silvesterknallerei? Habt Ihr die zahlreichen Ratgeber befolgt und Eure verängstigten Hunde ignoriert, bloß nicht getröstet, weil Trost ja Bestätigung sei?

Wie ist das, wenn Ihr selber Angst habt? Ein unangenehmes Gefühl, oder? Ein Gefühl das wir lieber nicht erleben wollen.

Wahrscheinlich hatten Emotionen ursprünglich einmal die Funktion, das Überleben zu sichern. Wenn etwas „angenehm“ ist machen wir es mehr und länger (so sagen ja manche Wissenschaftler dass die Tatsache dass das menschliche Weibchen anatomisch in der Lage ist Sex angenehm zu finden, die menschliche Paarbeziehung stabilisiere um die Aufzucht der extrem lange unselbständigen Kinder zu garantieren). Wenn etwas „unangenehm“ ist, vermeiden wir es. Ein Lebewesen das keine Angst spüren könnte wäre leichtsinnig, würde sich in Gefahr bringen und womöglich nicht lange überleben.

In unserer reichlich komplizierten Welt können unsere Gefühlsantworten nicht immer Schritt halten mit dem was wir über die Welt kognitiv wissen. Gefühle sind schnell und es ist nicht einfach, sie willentlich zu beeinflussen. Das macht Sinn: Wenn die Gefahr tatsächlich da ist, vor unserer Nase, dann ist es besser, sehr schnell mit Furcht zu reagieren, mit einem Fluchtimpuls und guter Durchblutung der Beine, und mögliche Zweifel („ist das denn wirklich so gefährlich?“) auf später zu verschieben.

Diese eigentlich sinnvolle Einrichtung führt dazu, dass wir manchmal mit Gefühlen auf dem Sofa sitzen, ja von Gefühlen zu überwältigt werden drohen, von denen wir ganz genau wissen, dass sie der Situation nicht angemessen sind.

Das kann die Angst vor einer Spinne in der Zimmerecke sein, oder Angst nach dem Fernsehkrimi nochmal im Dunkeln rauszugehen. Es kann eine überproportionale Wut sein, Ärger, der uns auf und ab gehen lässt, das Herz schnell klopfend, das Gesicht ganz rot – auch wenn die Ursache unbedeutend sein mag, vielleicht hört ein Nachbar zu laut Musik. Und es gibt auch erwachsene vernünftige Menschen die Angst vor Silvesterböllern oder Raketen haben!

Wie gehen wir mit solchen unangenehmen Gefühlen um? Meiner Beobachtung nach oft mit dem Versuch, der Situation zu entkommen, und gleichzeitig mit Scham oder Ärger: Wir geben Ängste ungern zu, vor allem solche die als irrational angesehen werden könnten. Frauen haben es da noch ein ganzes Stück leichter als Männer! (Eine Frau die wegen einer Spinne kreischt ist ja süß und weckt männliche „Beschützerinstinkte“.

Ich glaube, bevor wir uns mit der Angst unserer Hunde befassen (oder gar unreflektiert irgendwelche „Tipps“ befolgen) ist es wichtig unsere eigene Angst anzuschauen: Wovor habe ich eigentlich Angst? Wie gehe ich mit meiner Angst um? Welche Rolle spielt meine Angst in meinem Leben? Was tue ich wenn ich merke dass eine Angst der Situation nicht angemessen ist? Ärgere ich mich über meine Angst? Schäme ich mich für sie? Oder kann ich meine Angst auch einmal dasein lassen – sie vielleicht sogar fragen was sie mir sagen will?

Showing 2 comments
  • Trudy und die Tibis

    Angst ist mir eigentlich fremd. Das einzige was ich gefährlich finde ist im Auto auf der Strasse, aber Angst ist es nicht, nur Respekt.
    Deswegen haben wohl auch meine Hunde bei der Knallerei keine Angs, wir bleiben einfach cool..
    Ayana hat sich zwar unters Sofa gelegt, das tut sie aber auch sonst oft. Hayka hat mich auf den Balkon begleitet.
    Ich habe mit beiden als Welpen trainiert. Bei Gewitter oder Feuerwerk am Fenster sitzen und bei Knall oder Rakete gibts Läckerli.
    LG, Trudy

  • Silas

    Wuff Miriam,
    für mich war es mein erstes Silvester. Ich fand die Knallerei gar nicht schlimm, ist fast so, wie am Schießplatz, wo Frauchen mit mir hin und wieder geht.
    Aber die Lichter am Himmel mussten angebellt werden, waren mir ein wenig unheimlich. Aber Frauchen hat gleich wieder mit mir im Schnee getobt und so war alles gut.
    LG Silas

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