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Philosophische

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Kennen Hunde Eifersucht und Fairness?

Eifersucht scheint ein für Moral wichtiges Gefühl, da es eine häufige Ursache für das Verletzen moralischer Regeln ist: z.B. ist Eifersucht weltweit die dritthäufigste Ursache für Mord. Unter Eifersucht versteht man „eine schmerzhafte Emotion, die man bei einer nicht oder nur in ungenügendem Maße erhaltenen Zuneigung (Anerkennung, Aufmerksamkeit, Liebe oder Respekt) in Bezug auf einen Partner (eine Bezugsperson oder einen anderen geschätzten Menschen) gegenüber einer anderen (dritten) Person verspürt, wenn dieser vermeintlich oder tatsächlich ebendiese Zuneigung dieser dritten Person entgegenbringt.“ (Wikipedia)

Eifersucht scheint ein eher primitives Gefühl zu sein, das menschliche Kinder bereits mit 6 Monaten empfinden. Es ist daher zu erwarten, dass Hunde es auch können.

Christine Harris und Caroline Prouvost von der Universität San Diego haben die Studie, die Eifersucht bei Kleinkindern zeigt, auf Hunde übertragen, und 36 Hunde getestet.

In Szenario 1 („jealousy condition“) beschäftigt sich der Besitzer des Hundes mit einem echt wirkenden, sich bewegenden Stoffhund, den die Hunde für echt hielten (das sieht man z.B. daran, dass sie Anogenitalkontrolle bei ihm machten, also hinten schnupperten). Die Besitzer der getesteten Hunde streichelten ihn und sprachen liebevoll mit ihm.

In Szenario 2 tun die Besitzer dasselbe mit einem Halloween-Plastikkürbis. Hier soll getestet werden, ob es nur um das Verhalten des Menschen geht.

In Szenario 3 liest der Besitzer laut aus einem Pop-Up-Kinderbuch, das Melodien spielt. Hier soll ausgeschlossen werden, ob es nur um die Aufmerksamkeit des Besitzers geht.

Als Anzeichen von Eifersucht wurde gewertet: Aggression, aufmerksamkeitsheischendes Verhalten (attention seeking), Versuche, die Interaktion zu unterbrechen. 

Über 1/4 der Hunde schnappte in oder nach Bedingung 1 nach dem Spielzeughund, nicht in anderen Situationen. Alle Hunde stupsten den Besitzer während Bedingung 1 an,  87% stupsten den Spielzeughund  während Bedingung 1 an. Es gab kein Anstupsen während Bedingung 2 und 3. (Harris/ Prouvost 2014)

Wie sich „Eifersucht“ aber für einen Mensch und einen Hund anfühlt, ist vermutlich unterschiedlich. „Ich würde zum Beispiel bezweifeln, dass Hunde im Nachhinein lange über die Verletzung grübeln, was Menschen tun. Menschen fragen sich auch alle möglichen Fragen über die Bedeutung der Untreue (bin ich langweilig? nicht liebenswert?) und über die Beziehung (ist das das Ende der Beziehung?). Diese Art von Gedanken beeinflusst natürlich wiederum die Erfahrung von Eifersucht, und wie sich anfühlt.“ (Harris) 

Fairness

Frederike Range zeigte in einem Experiment, dass Hunde die Mitarbeit einstellen, wenn sie sehen, dass ein anderer Hund für dieselbe Aufgabe belohnt wird, sie selbst aber nicht. Sie versucht damit nachzuweisen, dass Hunde einen Sinn für Ungleichheit bei Belohnungen haben. Dies könnte zur Vermeidung von Ungleichheit in Gruppen dienen.

Zwei Hunde sitzen nebeneinander und werden aufgefordert, die Pfote zu geben. Einer erhält eine Futterbelohnung, der andere nicht. Letzterer hört bald auf, die Pfote zu geben, und zeigte Anzeichen von Stress und Verärgerung in dem Augenblick, in dem der andere Hund seine Belohnung bekam.

Um zu zeigen, dass es nicht ein einfacher Löschungsvorgang ist (nicht belohntes Verhalten wird nicht mehr gezeigt), gab es eine Vergleichsbedingung, in der der Hund ohne einen zweiten Hund die Pfote gab, und keine Belohnung erhielt. Die Hunde haben länger mitgemacht, und keine Zeichen von Stress und Ärger gezeigt.

In einer dritten Bedingung haben beide Hunde eine Belohnung bekommen, aber eine war wesentlich besser als die andere. Beide Hunde haben weiter mitgemacht. 

Daraus wird geschlussfolgert, dass Hunde ein Sinn für „Fairness“ hätten, aber nicht für „Gleichheit“ („equality“).

hundephilosophin1711

Das Nachstellen der Experimente beim Philosophischen Spaziergang verdeutlichte uns gut, wie viel Vorannahmen da drinstecken, und wie wichtig die Begleitumstände für sowas sind: kennt der Hund ähnliche Situationen? Wie ist seine Erfahrung damit? Wie wichtig ist dem Hund z.B. Futter und Zuwendung und andere Hunde? Wie interessant ist die Umwelt gerade? Hat er Hunger? Kennt er es, dass sein Mensch sich mit anderen Hunden befasst, dass andere Hunde neben ihm gefüttert werden, vielleicht sogar mit was besserem? Wie lange hätte er Pfotegeben ohne Belohnung sonst durchgehalten? Wie wird er sonst trainiert?    

 

Zum Weiterlesen:

Christine Harris, Caroline Prouvost (2014): „Jealousy in Dogs“. PLoS ONE 9(7): e94597. doi:10.1371/journal.pone.0094597 (kostenlos zugänglich über https://doi.org/10.1371/journal.pone.0094597 )

Stanley Coren (2014) „Is Jealousy One of the Emotions that Dogs Experience?“ https://www.psychologytoday.com/blog/canine-corner/201407/is-jealousy-one-the-emotions-dogs-experience

Stanley Coren: „Do Dogs Feel Jealousy and Envy?“, 19. Juni 2013, https://www.psychologytoday.com/blog/canine-corner/201306/do-dogs-feel-jealousy-and-envy

„Dogs refuse to play ball if they have been treated unfairly“ Guardian, Dezember 2008, https://www.theguardian.com/science/2008/dec/08/dogs-envy-fairness-social-behaviour

Friederike Range, Lisa Horn, Zsófia Viranyi, Ludwig Huber: „The absence of reward induces inequity aversion in dogs“, PNAS 2009 106 (1) 340-345. (http://www.pnas.org/content/106/1/340)

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