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Philosophische

[zum ersten Teil: Haben Hunde Moral?]

[zum zweiten Teil: Moral und Gefühle]

[zum dritten Teil: Schuld und Gewissen]

[zum vierten Teil: Eifersucht und Fairness]

[zum fünften Teil: Moral und Spiel]

 

Hunde bewerten auch Menschen moralisch

In der Diskussion um Moral sehen wir wieder einmal, dass unsere Hunde in zwei Welten leben: in einer Hundewelt unter Hunden, und in unserer Menschenwelt. In beiden gelten ganz unterschiedliche Regeln von richtig/ falsch oder auch gut/ böse! Hunde nehmen an beiden sozialen Welten Anteil und bewegen sich in ihnen. So spricht viel dafür, dass Hunde auch Menschen, die sie beobachten, moralisch beurteilen.

In einer japanischen Studie an Hunden und Affen (James Anderson, Kyoto Universität, New Scientist vom 18. Februar 2017, Seite 16) haben Wissenschaftler Hunde eine Szene zwischen Menschen beobachten lassen: Ein Mensch versucht einen Behälter zu öffnen, in dem sich ein Spielzeug befindet. Er schafft es nicht. Daraufhin bittet er einen zweiten Menschen, ihm zu helfen. Einmal hilft dieser zweite Mensch, einmal nicht. Anschließend bieten beide Menschen dem Hund Leckerlis an. Wenn der zweite Mensch geholfen hat, zeigt der Hund keinerlei Präferenz, von wem er das Leckerli nimmt. Hat der Mensch aber nicht geholfen, dann interagiert der Hund mit ihm nicht und nimmt sein Leckerli nicht an, sondern nur das des Menschen, der Hilfe gesucht hatte.

Video zur Studie:

In einem zweiten Versuchsaufbau bat ein Mensch einen anderen um drei Bälle. Sie werden übergeben. Dann möchte der erste Mensch die Bälle zurück haben.Dieser Bitte wird einmal nachgekommen und einmal nicht. Anschließend boten wieder beide Menschen dem Hund ein Leckerli an. Wenn die Bälle zurück gegeben wurden, dann zeigte der Hund keine Präferenz für den einen oder anderen Menschen, wenn die Rückgabe der Bälle aber abgelehnt wurde, dann verweigerte der Hund das Leckerli von demjenigen Menschen, der die Bälle nicht zurück gegeben hat.

Ein weiteres Experiment: Hundebesitzer und Hund wurden in ein kleines Zimmer mit drei Stühlen geführt. Der Hund durfte ein wenig herumschnüffeln, dann setzte sich die Besitzerin des Hundes in den Stuhl in der Mitte mit dem Hund an der Leine neben ihr. Zwei Personen betraten den Raum und trugen jeweils eine Schale mit Würstchenstücken. Jeder zeigte dem Hund die Schüssel, so dass er wusste, was darin war, dann setzten diese beiden Personen sich auf die Stühle an gegenüberliegenden Wänden.

Nun betritt der „Bettler“ – eine Mitarbeiterin – den Raum und nähert sich jedem der Menschen mit den Leckerchen. Wenn sie sich nähert, sagt einer von ihnen scharf:“Nein!“und macht eine abwehrende Handbewegung.

Der andere antwortet mit freundlicher Stimme, als die Mitarbeiterin sich ihm nähert, und legt ihr ein Wurststückchen in den Mund. Diese Interaktion wiederholte sich noch einmal, und während die Personen weiterhin ihre Leckerbissen aßen, beobachtete der Hund. Am Ende verließ der Bettler das Zimmer.

Nun lässt der Hundebesitzer den Hund von der Leine und erlaubt dem Hund, alles zu tun, was er wollte. In mehr als zwei Dritteln der Fälle wandten sich die Hunde an die Person, die dem Bettler gegenüber großzügig gewesen war und versuchte, ihn um eine Belohnung zu bitten. Anscheinend hatte das Beobachten dieser sozialen Interaktion die Hunde zu der Schlussfolgerung geführt, dass eine dieser beiden Personen großzügiger und eher bereit war, auf ihre Bitten zu einzugehen. 

Wir haben die Experimente beim Philosophischen Spaziergang mit einigem schauspielerischem Engagement nachgespielt und anschließend diskutiert, dass viele Kleinigkeiten hier eine Rolle spielen: wie gut hat der Hund wirklich beobachtet, hat er „verstanden“, was da dargestellt wird, wo genau stehen die Menschen, wer schaut den Hund an und wer nicht, sind sie exakt gleich weit vom Hund entfernt, sind sie für den Hund „gleichwertig“ (bei uns war es z.B. ein Mann und eine Frau – das kann den Hund beeinflussen). Unserem „Versuchshund“ war kalt und er wollte nach hause, er kennt es nicht, zu fremden Menschen hinzugehen und sich Futter abzuholen… An dem Video sieht man schon ganz gut, dass die Leiter der Studie sich einige dieser Gedanken auch gemacht haben, und versucht haben, da was auszuschließen (z.B. kein Blickkontakt). 

 

Zum Weiterlesen

Dorit Urd Feddersen-Petersen (2004): Hundepsychologie

James R. Anderson, Benoit Bucher u.a.: „Third-party social evaluations of humans by monkeys and dogs“, in: Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 2017, https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2017.01.003

 

 

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