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Philosophische

[zum ersten Teil]

Moral ist vielleicht gar nicht in erster Linie (oder nicht nur?)etwas abstraktes, theoretisches, prinzipiengeleitetes, sondern vielleicht geht Moral aus von einem Empfinden für gut und böse oder richtig und falsch – und nicht umgekehrt.

Für sozial lebende Tiere ist zum Beispiel ein Sinn oder Empfinden für Gerechtigkeit und/ oder Fairness von zentraler Bedeutung. 

Nach Stanley Coren verfügen Hunde über die Emotionen eines zweieinhalbjährigen Kindes: „Das heißt, der Hund hat alle Basis-Emotionen: Freude, Angst, Wut, Ekel, und sogar Liebe. Aber ein Hund hat nicht die komplexeren Gefühle wie Schuld, Stolz, und Scham.“ (Stanley Coren: „Which Emotions Do Dogs Actually Experience?“)

Marc Bekoff dagegen stellt in Frage, inwieweit wir denn wissen können, was andere Tiere empfinden. Stanley Coren änderte dann nach einem Email-Austausch mit Marc Bekoff seine Formulierung: „… basierend auf der aktuellen Forschung erscheint es wahrscheinlich, dass Hunde diese komplexen Gefühle nicht haben“. (Marc Bekoff:  „Can Dogs Experience Guilt, Pride, and Shame: Why Not?“)

Marc Bekoff meint: „Wir wissen nicht, ob Hunde Schuld, Stolz und Scham empfinden. Da aber behauptet wird, dass andere Säugetiere mit derselben neuronalen Ausstattung Schuld, Stolz und Scham und andere komplexe Gefühle empfinden, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass Hunde es nicht könnten. Und es gibt solide biologische/ evolutionäre Gründe anzunehmen, dass Hunde es können und tun. Man erinnere sich an Charles Darwins These der evolutionären Kontinuität, die zeigt, dass Unterschiede zwischen den Arten Variationen im Grad, nicht in der Art sind („differences among species are seen to be variations in degree rather than kind“). 

Auch der Primatenforscher  Frans de Waal betont die Bedeutung von moralischem Empfinden zur Entstehung von Moral: „[…] de Waal konnte zeigen, dass ohne »moralische Empfindungen«, die wir mit Menschenaffen teilen, die menschliche Moral schlichtweg unerklärlich ist. Ohne Gefühle weiß auch unsere Vernunft nicht, wie sie das Gute vom Bösen unterscheiden soll. Was die Hirnforschung behauptet, hatte de Waal schon immer vermutet: dass die Gefühle und nicht der Verstand uns motivieren, auch in unserem moralischen Handeln.“ (Precht 2016 S. 107)

Bei unserem Philosophischen Spaziergang waren wir jetzt an der Räuberhöhle des Schinderhannes (naja, vielleicht hat er sich hier versteckt) angekommen, und haben angefangen, uns einzelne dieser „moralischen Gefühle“ näher anzuschauen… [Fortsetzung folgt!]

 

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