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Man wirft es (noch) kinderlosen Paaren, die einen Hund adoptieren, ja ganz gerne so halb scherzhaft vor: dass sie fürs „richtige“ Kind üben. Mich hat das immer total geärgert, weil ich finde, es wertet den Hund, und die Entscheidung, mit einem Hund leben zu wollen, ab. Ein Hund ist ja ein „richtiger Hund“ – und kein „falsches (Menschen-)Kind“!

Obwohl ich das immer noch so sehe, und es auch wichtig finde zu sehen und wertzuschätzen, dass ein Hund was ganz anderes ist als ein Kind, gibt es natürlich Gemeinsamkeiten. Nicht weil Hunde wie Kinder/ Babies sind – sondern weil wir sie lieben, wie wir hilfs- und versorgungsbedürftige Familienmitglieder lieben. Der Philosoph und Neurobiologe Jaak Panksepp nennt dieses Gefühl „CARE“, es ist eins seiner sieben grundlegenden emotionalen Systeme (bei Tieren wie Menschen).

Nachdem ich jetzt außer meinen Hunde(babies) auch ein (Menschen-)Baby habe, habe ich nochmal überlegt:

Hat die Versorgung der Hunde mich auf die Versorgung eines Menschen vorbereitet?

JA, denn ich bin es gewohnt, für jemand anderen zu sorgen, auch: mich um jemanden zu sorgen. Beim Kinderarzt ist es eigentlich nicht so anders als beim Tierarzt. ;-) Die Verantwortung für einen Mensch fühlt sich tatsächlich noch „größer“ an als für ein Tier, aber die Sorge, manchmal die Hilflosigkeit, manchmal das gute Gefühl von Mächtigkeit, ist vergleichbar.

JA, denn mein Mann und ich sprechen schon seit vielen Jahren über Kacka und Pippi und wer wie viel davon gemacht hat, und wer gerade wie gut isst, oder auch nicht.

JA, denn mein Mann und ich sind ein eingespieltes Team im gemeinsamen Versorgen. Zu diskutieren (oder auch nicht), wer nachts mit dem Welpen rausgeht, oder mit dem erwachsenen Hund der Durchfall hat, wer bei Regen raus muss, wer die Kotze wegmacht, wer Futter kauft, und ob der alberne Pulli sein muss – das kennen wir, da schockt uns nix mehr, und  darüber würden wir auch nicht streiten.

NEIN, denn mit Baby fühlt sich alles noch eine ganze Ecke existenzieller an. Ich bin anders „angefasst“, mein ganzes Leben ist auf den Kopf gestellt, durchgeschüttelt und umgerührt – es gibt keinen „Alltag“ mehr. Das Baby ist derart Nummer eins in Kopf und Herz, seine Bedürfnisse drohen keinen Aufschub (oh, ihr müsstet mal sehen, wie mein Baby schreien kann, und dunkelrot anläuft, wenn ich auch nur denke „nur noch den Satz schnell…“). Und wenn was nicht klappt, wenn man es nicht beruhigt kriegt, oder es nicht vorschriftsmäßig zunimmt, oder sonst was ist: dann denkt man ganz schnell an „schlechte Mutter“ und „schaff ich nicht“ und ähnlich krisenhafte Dinge. Und wenn es dann läuft und klappt, dann ist man glücklich. So hatte ich das mit Hund(en) nicht. Oder zumindest viel weniger.

JA, denn man kennt es als Hundebesitzerin, mit seinem Schatz immer in der Öffentlichkeit zu stehen: angequatscht zu werden, Tipps von Fremden zu kriegen, „wie alt“, „welche Rasse/ Junge oder Mädchen“, „ich hatte mal eine/n…“. Selbst vor Anfassen scheuen Fremde wohl in beiden Fällen nicht zurück. Allerdings reagieren auf Schwangerschaftsbauch und Baby bisher alle verzückt und mit seligem Lächeln – meine Hunde kriegen eher Beschimpfungen und fiese Kommentare. Nicht nur, aber tendenziell.

NEIN, denn beim Baby denkt man schneller an die Zukunft, finde ich: was wird da mal draus, welche Konsequenzen hat das, wie verhalte ich mich, damit sie mal eine gesunde, glückliche, selbständige Erwachsene sein kann. Mein Hund bleibt mein Hund. Der zieht nicht aus. Klar denkt man beim Welpen auch: „wenn ich das jetzt verk*cke, hat der als erwachsener Hund vielleicht einen Knacks“. Aber ein Kind ist noch viel mehr ein nur kurz geliehenes Leben. Vielleicht ist es das, was man am Ende mit „besitzen“ meint: dass der Hund bleibt, und das Kind frei ist. Irgendwann.

Ich war mir nicht sicher, ob ich mich noch als Hundemama sehen würde, wenn ich Menschenmama bin.

Aber tatsächlich hat sich durch die Ankunft unseres Menschenbabies zwischen mir und den Hunden nicht viel verändert. Vielleicht sind wir sogar noch etwas näher zusammen gerückt. Ich habe irgendwo einen sehr amerikanischen Artikel gelesen, den ich nicht besonders toll fand, aber die Überschrift mochte ich: „My dog will always be my firstborn baby“, oder so.

 

Mehr dazu?

 

Ein Artikel, den ich mochte:

Why I’ve come around to the phrase pet parenting

Ich habe vor vielen Jahren schonmal was zum Thema geschrieben:

Baby-Eltern vs. Hunde-Eltern