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Habcas Gesundheit macht uns ja seit einiger Zeit immer wieder Sorgen, mal mehr, mal weniger, und lange ziemlich unklar – also jenseits ihrer bösartigen Mammatumoren, an denen sie jetzt drei mal operiert wurde.

Ihr Allgemeinzustand ist an sich prima: sie frisst, sie trinkt, sie scheidet aus, sie ist vergnügt, nimmt am Leben teil. Vielleicht liegt es (auch) daran, dass ich das Gefühl hatte, von mehreren Tierärzten nicht wirklich ernst genommen zu werden. Anfangs war es nur der Hunger: nachdem Habca zehn Jahre ein echt schlechter Fresser war – so ein Hund, für den man ständig die Futtersorten wechselt oder ihm Lieder zum Fressen vorsingt – hatte sie auf einmal Hunger. Und zwar nach ihrer ersten großen Krebs-OP im Oktober 2016. (Nein, sie hat da kein Cortison bekommen). Anfangs fanden wir es noch ein nettes Zeichen von Lebenswillen. Aber sie wurde nicht mehr satt. Gar nicht mehr. Sie mochte plötzlich alles, fing an, teilweise ziemlich offensiv Kunden oder Gäste anzubetteln. Abends, wenn wir auf dem Sofa saßen, saß sie vor uns und bellte uns an. Oder sie blieb gleich in der Küche liegen. Sie konnte nicht mehr entspannen, wenn auch nur die entfernteste Möglichkeit bestand, Essen zu bekommen. Ich fragte Tierärzte und andere Experten, googelte, las überall herum, aber ohne Ergebnis. Stress durch den Einzug des neuen Hundes, der ja doch eher energiereich sei, meinte eine Tierärztin. „(Fr)essen ist der Sex des Alters“, sagte jemand anderes. Die meisten fanden es unnötig, sich Gedanken zu machen, weil ein Hund Hunger hat. Ich selbst dachte natürlich an Trainingsfehler, versuchte sie mehr auszulasten, mehr zu Spielen, Ruhe am Futter zu trainieren…. Ich kaufte Futterzellulose und diverse Pülverchen, um sie irgendwie satt zu kriegen, aber immer mehr schien es mir, dass es keinen Unterschied machte, wie viel sie fraß. Sie hatte trotzdem weiter Hunger.

Im Mai diesen Jahres begann sie dann zu humpeln – mal mehr, mal weniger. Da sie einen großen gutartigen Tumor in der Nähe einer Achsel hatte, dachte ich, es könnte daran liegen. Die Tierärztin meinte, das könne nicht sein. Und plötzlich dachten wir auch, dass es doch eigentlich die andere Seite ist, die sie entlastet? Der Tumor kam irgendwann weg, das Humpeln war ein paar Tage besser, dann wieder gleich. Sie bekam Schmerzmittel, Metacam half gar nicht, Cimalgex etwas. Die Tierärztin diagnostizierte Arthrose, wir machten Röntgenbilder: nichts zu sehen. Ich ging zu einer Physiotherapeutin, die meinte, es käme aus der Schulter, die sei verspannt – aber wegen der Tumor-OP konnte sie noch nicht behandelt werden. „Verschleiß“, meinte jemand, und ob sie früher viel gesprungen sei. Borreliose und andere Zeckenkrankheiten, die zu Lahmheiten führen können, wurden im Blut ausgeschlossen.

Es kamen noch andere, einzeln betrachtet kleinere Veränderungen hinzu

Habcas Haut wurde immer schlechter, schuppte stark. Die Tierärzte gaben mir verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, die ich auch ausprobierte, aber ich konnte mir nicht recht vorstellen, dass es daher kam, da sie eh immer hochwertige Öle ins Futter bekommt. Keines der Präparate änderte was. Da sie vor allem an Schwanz und Rückenlinie kahl aussah, und ein Schilddrüsenwert grenzwertig niedrig war, hat sie Forthyron bekommen, und die Haut wurde kurz etwas besser. Der Hunger nicht. Die nächste Tierärztin empfahl, es wieder abzusetzen.

Etwa seit dem Frühjahr trank sie plötzlich auch viel. Die Hitze, dachten wir. Oder die Schmerzen – so schlecht wie sie lief. Da man bei viel Trinken schnell an Diabetes denkt, liessen wir das ausschließen.

Außerdem fing Habca an, dick auszusehen. Das klingt komisch, und wir machten uns darüber auch lange weniger Sorgen, weil es ja zum Hunger passte. „Sie muss abnehmen“, sagten wir ab und zu zueinander. Unsere neue Tierärztin nach dem Umzug meinte, das Gewicht sei ok und eine ältere Dame dürfe ruhig etwas zunehmen. Nach der Tumor-OP klang das aber doch ganz anders: da sei ganz schön viel Bauchfett im Weg gewesen. Ich wandte mich an eine Ernährungsberatung, auch um Tipps zu bekommen, weil die Kombination aus „Riesenhunger“ und „soll abnehmen“ mich überforderte – und merkte schon beim Ausfüllen des Fragebogens, dass ihre Rationen nicht zu groß sind. Man fühlt auch ihre Rippen, und von oben sieht sie gut aus. Wenn sie auf der Seite liegt, sieht sie fett aus – aber auch, weil ihre nackte Bauchhaut seit den Brust-OPs mächtig spannt.

Vor der Tumor-OP haben wir ein Blutbild gemacht, dass super war – bis auf einen Leberwert.

Im Nachhinein passt das alles zusammen – nur ist da leider niemand drauf gekommen.

Weil Habca immer schlechter lief, an manchen Tagen gar nicht mehr laufen konnte oder wollte (und dann plötzlich wieder ganz gut), habe ich sie schließlich mit in die alte Heimat nach Frankfurt genommen, zu der Tierärztin, der ich wirklich vertraue: der Tierorthopädin Alexandra Keller.

Die schaute sich erstmal sehr lange und mit Assistenten Habcas Gangbild an, und stellte fest: sie humpelt nicht auf einem Bein, sondern sie wechselt, welches Bein sie entlastet. Und ich dachte die ganze Zeit, ich bin zu blöd, das zu sehen, weil die Tierärzte, die mal kurz drauf geguckt hatten, es ganz klar fanden!

Beim Abtasten stellte sie fest: es sei im Prinzip ihr ganzer Körper extrem schmerzhaft – nicht bestimmte einzelne Stellen oder Gelenke. Und: ihre Muskulatur sei stark abgebaut. Und: die eine Narbe am Bauch spanne so stark, dass das durchaus beim Laufen stören könne. Und ihre Haut sei ja ganz dünn geworden.

Sie sagte, wir sollten sie auf Cushing testen lassen. All das, was ich über Cushing wusste, fiel mir ein, und schien sofort zu passen. Nach einigen, sagen wir, praktischen und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten, habe ich seit ein paar Tagen das Ergebnis. Habca hat das Cushing-Syndrom.

Was ist Cushing?

Cushing heißt, der Körper produziert zuviel Cortisol: Hyperkortisolismus. Das kann drei Gründe haben: der Hund hat zu viel oder zu lange Cortison bekommen (iatrogenes Cushing), er hat einen (meist gutartigen) Tumor in der Hypophyse, der über ACTH-Ausschüttung die Nebennierenrinde dazu bringt, zuviel Cortisol zu produzieren (Morbus Cushing, hypophysärer Hyperadrenokortizismus, ca. 80% der Cushing-Fälle), oder er hat einen Tumor in der Nebennierenrinde mit demselben Effekt (adrenaler Hyperadrenokortizismus).

Die Symptome von Cushing sind:

  • Hund trinkt viel (Polydipsie)
  • Hund frisst viel/ hat viel Hunger (Polyphagie)
  • Hund pinkelt viel (Habca hat in den letzten Wochen mehrmals in die Wohnung gepinkelt, was sie in den zwölf Jahren vorher nie gemacht hat)
  • „Stammfettsucht“: der Bauch wird dick, der restliche Hund nicht
  • Muskeln bilden sich zurück, Hund wird schwächer und/ oder lahmt
  • Haarausfall (Alopezie) und/ oder schlechtes Fell, schlechte Haut, dünne Haut
  • dunkle Verfärbungen der Haut (hat Habca im Narbenbereich am Bauch)
  • beim Rüden werden Hoden kleiner, bei der Hündin bleibt die Läufigkeit aus – war bei Habca nicht so
  • Lustlosigkeit (hat Habca nicht)
  • verminderte Leistungsfähigkeit mit Kurzatmigkeit und Hecheln (hat Habca, haben wir auf Alter, Schmerzen und Sommerhitze geschoben)

Betroffen sind vor allem ältere Hunde, mehr Hündinnen als Rüden, eine genetische Disposition wird vermutet.

Und jetzt?

Es gibt im Prinzip nur ein Medikament, mit dem Cushing (derzeit) behandelt wird: Trilostan  Markennamen Vetoryl und Modrenal). Das hemmt die Steroidsynthese in den Nebennieren. Habca bekommt es seit heute. Ein Entfernen des ursächlichen Tumors, von dem wir noch nicht wissen, ob es der eine oder der andere ist, ist beim Hund nur selten möglich. Das heißt, es gibt keine Heilung, aber eine relativ erfolgsversprechende Behandlung.

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