In Erziehung und Lernen, Mensch-Hund-Beziehung, Schwanger mit Hund, Veränderung

Wahrscheinlich verbringen alle Schwangere viel Zeit damit, sich zu überlegen, wie das alles wohl wird – gerade beim ersten Kind. Als Hundebesitzerin kommt schnell die Frage dazu: wie wird das mit dem/n Hund/en, für den/ die Hund/e?

Ich finde es wichtig, die Hunde so gut wie möglich vorzubereiten, auf das, was kommt. Weil mir das fair erscheint. „So gut wie möglich“ heißt: so ganz genau weiß ich es ja selbst nicht, nicht alles lässt sich planen, und ich vertraue bei meinen Hundemädchen auch darauf, dass sie eine gute nervliche Grund-Stabilität haben und mit Veränderungen umgehen können. Je schwieriger Veränderungen für den Hund sind, umso mehr Sorgfalt würde ich auf die Vorbereitung verwenden.

Im ersten Trimester war mir – wie sich das gehört – ständig schlecht, und ich war ständig wahnsinnig müde, und habe natürlich trotzdem gearbeitet – so richtig viel Zeit und Energie blieb da nicht für Hundetraining.

Der erste Schritt vorm Training ist ja immer, sich einen guten Plan zu machen, und das sehe ich als Haupt-Aufgabe fürs erste Trimester.

Ich habe mich – mit Hilfe meiner eigenen Unterlagen, die ich für schwangere Kundinnen erstellt habe – als erstes gefragt: Was wird sich für den Hund voraussichtlich ändern?

  • Habe ich weniger Zeit für Hund?
  • Wird es weniger oder andere Beschäftigung geben?
  • Wird er weniger Ruhephasen haben (betrifft Hunde die vorher viel allein waren)?
  • Ändert sich die Schlafsituation?
  • Wird es andere Fütterungszeiten oder -orte geben?
  • Darf der Hund nicht mehr in bestimmte Räume?
  • Erwarte ich Probleme mit Besuch?
  • Wird es neue Einrichtungsgegenstände geben?
  • Ändert sich der Platz des Hundes im Auto?
  • Ist mein Hund geräuschempfindlich, so dass ich hier vorsorgen muss?
  • Hat er andere Ängste, die ein Baby und Baby-Gegenstände triggern könnten?

Ich habe Hundebesitzerinnen mit Baby befragt, wenn ich selbst nicht weiterkam.

Dann habe ich mehr Richtung Training nachgedacht:

  • Ist der Hund ausreichend leinenführig, um am Kinderwagen oder mit Tragekind zu gehen?
  • Funktioniert mein Umlenksignal/ Umorientierungssignal/ Aufmerksamkeitssignal zuverlässig?
    Funktioniert Sitz und/oder Platz und/oder Stoppsignal – auch unter Ablenkung?
  • Funktionieren meine (wichtigen) Signale  auch nur mit Wortsignal, falls ich die Hände nicht frei habe?
  • Ist der Rückruf gut genug?

„Manage what you can’t train“

Gerade wenn man kein Trainings-Freak ist, muss man auch nicht alles trainieren – man kann sich überlegen, ob man einiges, was man sich schwierig vorstellt, über Management lösen kann. Als Management bezeichnet man im Hundetraining Maßnahmen, die unerwünschtes Verhalten verhindern, ohne dass man trainieren muss. Der Hund sollte Managementmaßnahmen aber möglichst vorher kennen lernen. Deshalb lohnt es sich, zu überlegen, ob man Management brauchen wird, und ob der Hund etwas davon vorher noch kennenlernen sollte:

  • eine Hausleine zum Beispiel
  • ein Haken im Haus zum Anleinen des Hundes
  • eine Hundebox – offen oder geschlossen?
  • geschlossene Türen – auch wenn dein Hund dich dahinter hört?
  • Kindergitter- auch wenn dahinter was Tolles passiert?
  • kennt und mag dein Hund andere Bezugspersonen, Hundesitter etc?
  • kennt er einen Maulkorb?
  • kennt er Kong und ähnliches Futterspielzeug, mit dem er sich allein beschäftigen kann? Hast du genug davon vorrätig?

Wenn du jetzt eine Vorstellung davon hast, was du tun und trainieren solltest, kannst du dir das zeitlich ungefähr einteilen. Es macht Sinn…

  • energiefordernde Aktionen im zweiten Trimester zu planen, da haben die meisten Schwangeren die meiste Kraft
  • alles, was länger dauert, oder wo du Schwierigkeiten erwartest, so früh wie möglich anzufangen
  • alles, was der Hund doof finden könnte – wenn er z.B. nach Ankunft des Babys nicht mehr im Bett schlafen soll – frühzeitig einzuführen, damit er es nicht mit dem Baby in Zusammenhang bringt
  • nicht zu viel auf einmal zu verändern, um dich und deinen Hund nicht zu überfordern
  • sich Hilfe zu holen, wenn du sie brauchst – dafür sind Profis da

 

Ich habe letztlich im ersten Trimester (außer der Planung) folgendes gemacht:

  1. unsere Entspannungssignale aufgefrischt und ganz viel mit den Hundemädchen entspannt (siehe z.B. hier und hier)
  2. überprüft, dass bei allem, was mir wichtig ist, die Wortsignale ohne Sichtzeichen funktionieren (siehe hier)
  3. unser „Mat-Work“ aufgefrischt, eine Übung, die ich nach Control Unleashed (Leslie McDecitt, dt.: „Stressfrei über alle Hürden“) trainiere: im Prinzip geht es darum, dass die Hunde sich, wenn sie ihre spezielle Entspannungsdecke sehen, sofort da draufschmeißen und entspannen, egal was um sie herum passiert.

 

Hier findet ihr mein Handout für werdende Eltern als pdf zum Herunterladen:

wenn-baby-in-familie-kommt