In Mensch-Hund-Beziehung, Philosophisches, Tibetterrier, Veränderung, Welpenbilder


(Habca mit ihrer Mutter Onu-Mo am 16. Februar 2006, einen Tag bevor ich sie abgeholt habe. (c) Ellen Schenk)

Heute vor zwei Jahren habe ich Habca vom Züchter abgeholt. Ein aufregender Tag, man hat ja dann irgendwie doch keine Vorstellung, was da auf einen zukommt…

Für Habca war der Start gar nicht so leicht, sie war vier Monate alt und kannte nur den riesigen Garten vom Züchter und ihre dortige Großfamilie. Die Stadt mit ihrer Geräuschkulisse, die vielen fremden Hunde, die Gerüche, die ungewohnten Gegenstände, der Abschied von ihrer großen Hundefamilie, das hundeunerfahrene Frauchen… das wäre auch für einen Hund mit stärkeren Nerven viel gewesen. ;-)

Aber es war Liebe auf den ersten Blick… Habca hat ja eigentlich mich adoptiert, als ich beim Züchter war um den i-Wurf anzuschauen. Da fand sie sich zwischen meinen Beinen ein, und beschloß dort zu bleiben.

Heute waren wir bei einem Treffen ihrer Züchterin, bei dem gaanz viele Tila-La-Tibetterrier waren. (Bilder folgen!) Habca fand das nicht so spannend. „Das ist also meine Verwandtschaft, gut und schön“, hat sie gesagt, „können wir jetzt was Spannenderes machen, Frauchen? So wie sonst?“

Manchmal schaue ich sie an und frage mich, wie ich diese Liebe verdient habe, diese Hingabe. Aber wisst Ihr was? Ich glaube, das kann man gar nicht verdienen. Sie sitzt da, und schaut mich an, unverwandt, und ich frage mich, was sie will. Sie sieht aus, als denke sie nach. Dann lehnt sie ihren Kopf an mein Knie, und sagt mir, dass alles gut ist.

Ich bin froh, dass sie mir damals angeboten hat, mitzukommen. Auf diesem Weg. Es war für uns beide nicht immer leicht. Ich glaube, wir haben beide manches Mal gedacht „Warum verstehst Du mich denn jetzt nicht?“ Aber wir hatten immer Geduld miteinander. Und vielleicht ist das das Wichtigste. Wir haben nie aufgehört zu versuchen, uns einander verständlich zu machen.

Für mich ist sie jeden Tag ein Wunder. Ich schaue sie an und bin glücklich, dass sie da ist, und ich staune über sie, und zweifle, und grüble. Es ist kaum zu erklären, wieviel reicher mein Leben durch sie geworden ist. Wieviel ich von ihr, durch sie und ihretwegen gelernt habe.

Gerade weil sie nicht immer einfach ist, gerade weil sie kein happy-go-lucky ist.

Oder, wie Leslie McDevitt über ihren Hund schreibt:
All I see now when I look at the little spotted one is a master teacher, a wise spirit, my partner. […] And all the while that I thought I was opening a door for him, he was opening one for me.
(Mc Devitt, Leslie (2007): Control Unleashed. S. 223)

Ich hatte selten in meinem Leben so sehr das Gefühl, das Richtige zu tun, wie als Habca am 17. Februar 2006 in einem Mietauto auf meinem Schoß einschlief. Jeden Tag, wenn ich aufwache und sie müde zu mir ins Bett tapst, jeden Tag, wenn ich aus der Uni oder von der Arbeit nach Hause gekommen bin und sie sich freut wie Bolle, jeden Tag, wenn sie sich auf dem Boden neben mir abends (nicht in ihren gemütlichen Betten und Körbchen, auch nicht in unserem Bett, aber: so dicht bei mir, wie es geht) ausstreckt und nocheinmal tief seufzt, jedes Mal, wenn sie ein paar Schritte vorläuft, stehen bleibt und sich nach mir umsieht, spüre ich es in mir: Dieses Ja. Ja, das will ich, das habe ich immer gewollt, darauf habe ich gewartet. Das ist es.

Showing 7 comments
  • Merlin + Dojan

    Was für eine schöne Liebeserklärung :-)
    Es gibt einfach nichts Schöneres auf der Welt als einen Hund zu haben ausser —– 2 Hunde :-)

    Wuffwuff
    Merlin und Dojan

  • Anonymous

    Jaul….. man Miriam, mir kommen doch immer so schnell die Tränen.
    Aber genau so ist es!!!!!
    Hunde sind eben die besseren Menschen.

    Indi Frauchen

  • Dixie

    seufz,

    …wie schoen…

    Dixies Frauchen

  • Nici

    Das nenn ich mal eine wunderschöne Liebeserklärung *seufz*…

    Ich hoffe auch noch dieses Vertrauen zu meiner Fellnase zu finden. Unser Verhältnis ist leider oft wirklich schwierig. Oder liegt es einfach nur dadran, dass ich einen 10-monatigen Rebell haba? K.A.
    Aber alleine Deine Worte spornen dazu an, alles dafür zu geben!

    Liebe Grüße
    NICI
    (Smartys Frauchen)

  • Habca & Miriam

    Hey Nici & Smarty,
    ich weiß noch wie ich hier mit dem Welpen in der Küche saß und dachte: Komisch, eigentlich kennen wir uns gar nicht. Und jetzt wohnt die hier und ich bestimme was sie frisst und wann sie auf Klo kann und wie der Rest ihres Lebens verläuft. Und sie kann weder sprechen noch mich verstehen. Und wie sie mich so angeguckt hat, hätte man denken können sie denkt das Gleiche. Ich hatte Glück, weil sie sich von Anfang an darauf eingelassen hat (man könnte auch sagen: immer schon ein kleines Mamababy war ;-) ). Aber das das erstmal für beide komisch ist, ist doch klar, finde ich. Wenn Smarty jetzt 10Monate ist, dann hast Du ihn seit… acht Monaten? Da habt ihr ja noch nicht mals alle Jahreszeiten durch. Die erste große Beziehungskrise, den ersten Tierarztbesuch bei dem man wirklich bangt, das erste Mal dass der Hund Hilfe bei Dir sucht, dass erste Mal, das irgendwas klappt was Du schon immer wolltest und nie geklappt hat (und sei es so was Blödes wie Pfötchen geben). Da wächst noch so viel. Halt uns auf dem Laufenden!

  • Habca & Miriam

    @Indi-Frauchen: Extra für Dich gibts jetzt was zum Lachen. Zumindest eigentlich sind bellende Männer ziemlich zum Lachen.

  • nicisblog

    Hey Ihr 2 Lieben!

    Also Smarty ist sogar noch viel kürzer bei uns. Wir haben ihne mit 6 Monaten aus dem TH geholt und am 21.02. war er genau 4 Monate bei uns.

    Dazu kommt eben, dass er grad mitten in der Pubertät steckt und er es schon geschafft hat, dass ich vor 2 Wochen im Wald gesessen hab und mir die Seele aus dem Leib geheult habe. War bestimmt ein doller Anblick als da ne 30jährige heulend auf nem Baumstumpf sass und hoffte dass ihr Hund versteht wie verzweifelt sie ist, er aber stattdessen den xten Klumpen Mist (den der Bauer vom Hänger verloren hat) frisst und sich weder von einem strengen NEIN noch von sonst was davon abhalten lässt.
    Da hab ich echt gedacht ich geb ihn wieder ab. Ich meine klar – ich hab mich beruhigt und ich würd ihn im Leben nicht weggeben, denn wir haben für ihn Verantwortung übernommen als wir ihn aus dem TH holten – aber er hat mich echt an diesem Tag an meine Grenzen geführt.

    Und dann sind da so Tage, wo er mich nicht aus den Augen lässt, wo er immer wenn er wach wird zu mir kommt, sich ganz feste an mich drückt und seine Augen sagen: hab mich lieb…

    Naja – wie heisst es so schön? Man wächst mit seinen Aufgaben!
    Und wahrscheinlich hast Du recht, das einfach noch viel Zeit vergehen muss und wir miteinander „gross“ werden müssen.

    Ich grüß ganz lieb und wünsch noch nen schönen Tag!

    LG
    NICI
    und ein WUFF von Smarty

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