Spazieren gehen

„If there were a single snapshot moment that encapsulates a relationship, it might be simply this: how a person and a dog walk together.“

Suzanne Clothier, Autorin von Bones Would Rain from the Sky: Deepening Our Relationships With Dogs, im Raising K9 Blog

Ein großer, wichtiger Teil unseres Lebens mit Hund findet im Gehen, beim Spazierengehen, statt.

Es lohnt sich, diesen wichtigen Teil unseres geteilten Lebens gut zu gestalten. Gut für uns, den Menschen – und gut für unseren Hund. Dazu müssen wir uns zwei Fragen beantworten:

Was brauche ich, was tut mir gut? 

Was braucht mein Hund, was tut ihm gut?

Manche Hunde treffen gern andere Hunde – andere nicht. Wenn Sie nicht sicher sind, besprechen Sie sich mit einem Trainer.

 

Ein weit verbreiteter Grund, den Spaziergang nicht zu genießen, ist Leineziehen.

An der Leine gehen muss man lernen

hundephilosophin1605

Haben Sie schon alles probiert, von Gutzureden und Leckereien über Antiziehgeschirre und Wutanfälle? Als wandelnder Tauzieher spazieren zu gehen, macht niemandem Spaß – auch Ihrem Hund nicht.

Hinzu kommt: Ungeübtes Leinegehen ist ein massiver Stressor, der zum Beispiel für Probleme mit der Artgenossenbegegnung oft mitverantwortlich ist.

Die gute Nachricht ist: An der Leine gehen kann man lernen. Menschen und Hunde.

Die schlechte Nachricht: Für viele Hunde und Menschen ist es nicht ganz so einfach. Aber mal ehrlich: Wenn es mit „bleib halt stehen, wenn er zieht“ getan wäre, gäbe es nicht so viele Menschen, die das Problem nicht in den Griff kriegen. Oder so viele Bücher über Leineziehen. Oder so viele Hundeschulen.


Leine3

Was Sie brauchen und können müssen, um mit Ihrem Hund angeleint gehen zu können:

  • ein Geschirr, das ihrem Hund wirklich passt, und das er ok findet
  • eine nicht-zu-kurze Leine, je nach Hund 2m oder 3m, die Sie mögen, die gut in der Hand liegt
  • einen Plan, was und wie Sie trainieren wollen, was Sie tun, wenn etwas nicht klappt, und was wann dran ist
  • eine Alternative für die Zeiten, in denen Sie mit Ihrem Hund unterwegs sind, aber nicht trainieren: wie soll ihr Hund das unterscheiden?
  • leckere kleine Futterstückchen und eine angemessene Technik, diese zügig in ihren Hund zu befördern (das geht fast nur mit einem Futterbeutel/ Futtertasche o.ä. gut)
  • bei sehr kleinen Hunden ist oft ein Targetstab hilfreich
  • einen Clicker oder ein Markerwort und die Kenntnis und Fähigkeit und Fingerfertigkeit, das richtig einzusetzen
  • Zeit, Fleiß und Disziplin auf Seiten des Menschen
  • einen Hund, der körperlich und geistig in der Lage ist, das zu tun, was Sie von ihm möchten (der z.B. nicht furchtbar dringend auf Klo muss, total gelangweilt oder übererregt ist, usw.)
  • eine Umgebung, in der Sie und ihr Hund in der Lage sind, das Training durchzuführen

Empfehlenswerte Videos zu Leinenführigkeit auf Youtube:

Empfehlenswerte Bücher (ich habe einiges zur so genannten Leinenaggression gleich mit dazu getan):

 

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg! Wenn Sie Hilfe brauchen, wenden Sie sich bitte an mich oder einen anderen qualifizierten Hundetrainer. Leineziehen ist nicht nur ärgerlich, es ist ungesund für Hund und Mensch, es macht Hund und Mensch wütend, es frustriert und führt zu Aggression – und ein ziehender Hund sieht für entgegenkommende Hunde angespannt und aggressiv aus, und erhöht bei ihnen wiederum die Wahrscheinlichkeit, sich Ihrem Hund gegenüber aggressiv zu geben!

Tun Sie etwas dagegen!

 

Anregungen für Ihren Hunde-Spaziergang

Hunderunde/ Hundetreffen/ Play-Dates

In allen Großstädten gibt es organisierte Gruppenspaziergänge, und mit ein bisschen suchen findet man sie wahrscheinlich in ganz Deutschland. Viele Hunde finden Spaziergänge in großen Gruppen und mit möglichst wenig Regeln toll – aber nicht alle. Beides ist okay! Viele erwachsene Hunde bevorzugen es, wenn Sie ihnen möglichst regelmäßig die Gelegenheit verschaffen, mit ihrem Lieblingsfreund spazieren zu gehen und zu spielen.

Versuchen Sie herauszufinden, was Ihr Hund mag und braucht. Es macht keinen Sinn, sich selbst oder Ihren Hund zu stressen, für etwas, was er oder Sie gar nicht möchten.

Im Großraum Frankfurt/ Main habe ich die kostenlose Hunderunde Rhein-Main gegründet, die auch nach meinem Wegzug 2018 weiter besteht. Hier laufen die Hunde überwiegend ohne Leine. Es kommen meist zehn bis dreißig Hunde. Mir ist wichtig, dass diese Runde nicht als kostenlose Trainingshilfe für Hunde genutzt wird, die eigentlich Probleme mit anderen Hunden haben – dafür gibt es andere Veranstaltungen. Man soll sich hier gegenseitig darauf verlassen können, dass die anwesenden Hunde und Menschen prinzipiell Hunde mögen. Das heißt nicht, dass alles immer nur nett ist und jeder sich alles gefallen lässt. Natürlich dürfen Hunde lernen, dass andere Hunde mal keine Lust haben, mit ihnen zu spielen. Oder dass ihr Mensch mit etwas nicht einverstanden ist. Aber ich glaube nicht, dass Hunde Sozialverhalten in erster Linie von (fremden!) anderen Hunden lernen sollten, und dass sie ihre Probleme „unter sich“ ausmachen sollten. Am Ende trägt der Mensch die Verantwortung, und die sollte er auch wahrnehmen.

Gerade dieser Punkt wird bei Hunderunden und Hundegruppenspaziergängen sehr unterschiedlich gehandhabt! Wenn er Ihnen so wichtig ist wie mir, informieren Sie sich vorab, und lassen Sie sich nicht verbiegen und Ihren Hund nicht im Stich. Unbeaufsichtigtes „Spielen“ kann auch viel Schaden anrichten.

So finden Sie eine Hunderunde:

  • schauen Sie nach, ob es eine Wuff-Hunderunde in Ihrer Umgebung gibt
  • suchen Sie nach regionalen Facebook-Hundegruppen, und fragen Sie dort nach
  • fragen Sie bei Hundeschulen und Hundevereinen
  • probieren Sie Anbieter oder Agenturen wie z.B. „Groops“ – sowas finden sie leicht mit einer Suchmaschine

Wovon ich grundsätzlich abrate, sind Treffen oder „Spielgruppen“, bei denen Hunde in einen eingezäunten Bereich getan werden und die Menschen solange plaudern. Das ist sinnlos und zu gefährlich – warum, lesen Sie zum Beispiel hier:

Well Socialized? No, Well Traumatized

Die amerikanische Hundepsychiologin Sue Sternberg hat sich ausführlich mit dem Verhalten von Hunden in „Dog Parks“ beschäftigt. Hier ein Teil ihres Vortrags dazu:

Hinweise zu vernünftigem Verhalten an solchen Orten finden Sie z.B. hier: https://drsophiayin.com/blog/entry/dog-park-etiquette-rules/

 

Social Walk

Wenn Ihr Hund Probleme damit hat, andere Hunde zu treffen, ist das ja auch erstmal nicht schlimm! Niemand muss mit anderen Hunden durch die Gegend tollen. Aber Ihr Spaziergang sollte deshalb nicht in einen Spießrutenlauf ausarten, der Ihnen und Ihrem Hund nur Stress macht. Hundebegegnungen souverän zu meistern und zu regulieren, können Ihr Hund und Sie bei meinem Social Walk üben – nachdem Sie Ihr Werkzeug dafür in Einzelstunden an die Hand bekommen haben. Ich finde es nämlich für Hunde und Menschen unfair, sie einfach in einen Begegnungskontext zu werfen, den sie überhaupt noch nicht bewältigen können.

Wir trainieren beim Social Walk das erwünschte Verhalten im Begegnungskontext. Wir provozieren unerwünschtes Verhalten nicht, sondern dehnen erwünschtes Verhalten mehr und mehr aus.

Das heißt, es ist kein „da muss er durch“- Training (weder für Hunde, noch für Menschen), sondern es soll und darf Menschen und Hunden Spaß machen. Wir entdecken und fördern die friedlichen Anteile die unser Hund (jeder Hund!) hat, und sagen ihm, dass wir diese friedlichen Verhaltensweisen zur Konfliktvermeidung toll finden. Leider werden sie im „echten Leben“ oft übersehen,  was zur Folge hat, dass der Hund sie immer weniger zeigt. Deshalb beginnen wir damit, sie zu entdecken, zu markieren und zu belohnen. Hierzu verwenden wir ein Markersignal (z.B. den Clicker).

Die Take-away-Botschaft ist: „Ja, da waren andere Hunde, aber eigentlich war es gar nicht so schlimm, sondern sogar ganz nett.“

Einen solchen Social Walk können Sie (mit etwas Hintergrundwissen und Erfahrung) auch selbst für sich veranstalten. Suchen Sie sich eine Umgebung, in der die anderen Hunde sicher angeleint sind, und arbeiten Sie in einer Distanz, die für Sie und Ihren Hund leicht zu schaffen ist.

Wenn Sie einen Social Walk in einer Hundeschule besuchen, informieren Sie sich bitte vorher genau, was da passiert. Vielleicht können Sie sogar einmal ohne Ihren Hund zuschauen. Leider gibt es mittlerweile ganz viele Veranstaltungen, die „Social Walk“ heißen, aber reine da-muss-er-durch-Veranstaltungen, sogar das-machen-die-unter-sich-aus-Spaziergänge sind, oder bei denen gezwickt, geschimpft und leinegeruckt wird. Das ist nicht fair dem Hund gegenüber, und wird Sie mit größter Wahrscheinlichkeit auch gar nicht weiterbringen.

 

Silent Walk

hundephilosophin1610-11Sprechen Sie während des Spaziergangs mit Ihrem Hund? Geben Sie viele Kommandos? Oder gehen Sie mit Freunden spazieren und plaudern? Können Sie dabei noch sehen und spüren, was Sie da gerade machen, und was Ihr Hund gerade macht?

Beim Silent Walk probieren wir gemeinsam, still, aber achtsam mit unseren Hunden spazieren zu gehen. Es ist ein meditativer Spaziergang, angelehnt an BreathWalk oder Yoga-Walking oder Geh-Meditation – mit Hunden. Man kann einige Übungen zu Entspannung und Achtsamkeit machen –  und bei von mir veranstalteten Silent Walks schweigen wir einen Großteil der Zeit. Die Hunde führen wir hierzu überwiegend an Geschirr und langer Leine. Vielleicht führen wir sie auch gar nicht, sondern begleiten sie.

Sie können einen „Silent Walk“ auch einmal für sich allein ausprobieren. Eine Anleitung zum Herunterladen finden Sie hier: silent walk

 

Entspannungsspaziergang

Ein Spaziergang, bei dem man vom Losgehen bis zum Nachhausekommen auf Entspannung achtet – bei Mensch und Hund. Man baut Entspannungstechniken ein, lässt sich Zeit, wählt eine geeignete Umgebung…

Ich biete solche Spaziergänge mit passenden Übungen gelegentlich im Rahmen von Entspannungstraining an. Sie können auch für sich selbst einen planen. Ich kann zum Beispiel oft am besten entspannen, wenn ich meinen Fotoapparat mitnehme. Das war zum Beispiel im Frühjahr 2013 so, als Habca gebissen worden war, und wir dringend Entspannung brauchten:

Entspannungsspaziergang

Im Taunus ging es besonders gut, schöne Orte zu finden, an denen die Hunde und ich runterkommen konnten – kleine Fluchten aus dem Alltag:

Kleine Fluchten – mit Hund

Ich gehe bei solchen Entspannungsspaziergänge übrigens meistens langsam. Außer, ich muss erstmal was loswerden. Dann geht es zügig los, und ich versuche später, langsamer zu werden. Warum, lest ihr hier:

Sich Zeit lassen

 

Abenteuerspaziergang

hundephilosophin1607-7

Gemeinsam ein Abenteuer zu erleben, etwas besonderes tun, sich etwas trauen: das vertieft die Bindung, die Freundschaft zwischen Mensch und Hund. Das macht Spaß. Miteinander Spaß haben kommt im Alltag manchmal zu kurz, und schnell wird der Mensch zum Verbieter, statt Freund und Partner zu sein, mit dem man „durch Dick und Dünn“ geht, oder „Pferde stehlen kann“.

Abenteuer laufen unserem Bedürfnis nach Ordnung und Kontrolle zuwider. Aber Abenteuer machen dreckig und glücklich.

Haben Sie selber Lust, mit Ihrem Hund ein Abenteuer zu erleben? Dazu braucht es nicht viel… Verlassen Sie Ihre Komfortzone ein Stückchen. Fahren Sie irgendwohin, wo Sie noch nie waren. Erinnern Sie sich an die Abenteuer Ihrer Kindheit und Jugend. Spielen Sie mit Ihrem Hund Indianer, und üben Sie anschleichen. Baden Sie mit Ihrem Hund in einem versteckten See. Verlaufen Sie sich. Gehen Sie nachts spazieren. Machen Sie ein Picknick.

Blog-Beiträge mit dem Tag „Abenteuerspaziergang“ finden Sie hier.

„Rucksack-Walk“

Was ein „Rucksack-Walk“ ist, und wie Sie selbst einen durchführen, erfahren Sie hier in meinem Blog-Beitrag:

Ein „Rucksack-Walk“ mit der Hundegruppe – mit Freebie für Euch

„Insel-Spaziergang“

Meines Wissens hat Ute Blaschke-Berthold den Inselspaziergang erfunden, oder zumindest so benannt. Man braucht zum Glück keine Inseln – die richtet man sich selbst ein. Es geht darum, bestimmte Erwartungshaltungen (auf Seiten des Hundes) an bestimmte Orte zu knüpfen. Im Prinzip kennen wir das alle: Hier ist die Bank, auf der wir immer Pause machen, hier ist der Trampelpfad, an dem der jagdlich interessierte Hund immer kurz verschwindet, hier die Wiese, wo Frauchen uns was versteckt.

Solche Orte schaffen wir nun gezielt, verknüpft mit vom Menschen erwünschten und für den Hund attraktiven Verhaltens-Angebot. Es kann zum Beispiel Entspannungsinseln geben, und SEEKING-Inseln, an denen Suchspiele gemacht werden.

Ich setze Inseltraining mit gutem Erfolg in der Verhaltenstherapie ein: es beruhigt viele Hunde, zu wissen, was wann dran ist, und sich auf die nächste Insel freuen zu können. Es erleichtert auch manchen Besitzern die Strukturierung des Spaziergangs. Und Hunde, die immer die Option „man könnte auch jagen gehen“ im Hinterkopf haben, haben so etwas anderes, worauf sie sich fokussieren und verlassen können.

Hier ein Film von Ute Blaschke-Berthold zu einem Inselspaziergang:

Zuletzt…

kann ich Euch zum Thema „Spazierengehen“ den schönen Artikel von Pedi Matthies über ein Treffen mit mir nicht vorenthalten, unter dem schönen Titel „Aha! So geht also Hundespaziergang“:

Aaha! So, geht also Hundespaziergang!