Die Hundephilosophin
Nasenarbeit
Es ist unfassbar, was Hunde mit ihrer Nase alles wahrnehmen und unterscheiden können – und wozu Menschen das alles nutzen. Wie die Hunde-Kognitionsforscherin Alexandra Horowitz schreibt: „Wenn man etwas über [Hunde] wissen möchte, muss man sich dafür interessieren, wie es ist, ein Hund zu sein. Und das beginnt immer mit der Nase.“
Sie hat einen großartigen TED-Talk darüber gehalten (und tolle Bücher geschrieben):
Bei der Bedeutung, die der Geruchssinn also für Hunde hat, ist der Gedanke naheliegend, dass es jedem Hund Spaß macht und gut tut, seine Nase zu benutzen. Klar, auf dem täglichen Spaziergang benutzt er sie, um Neuigkeiten zu erschnuppern, und seine Nase sagt ihm, was es zum Abendessen gibt und wann Sie heimkommen.
Aber stellen Sie sich vor, Sie hätten ein riesiges Talent – hätten Sie da nicht Lust, das auch auszuleben? Ist es nicht so mit der Hundenase?
Dabei finde ich es nicht so wichtig, was der Hund sucht.
Es gibt zum Beispiel:
- Trüffelhunde
- Leichenspürhunde
- Drogenspürhunde oder Suchtmittelspürhunde
- Bettwanzen-Spürhunde
- Sprengstoffspürhunde
- Losungssuchhunde und andere Artenschutzhunde, z.B. auch im Wolfsmonitoring
- Bargeld-Spürhunde
- Brandmittelspürhunde
- Pyrotechnik-Suchhunde
- Neobiota-Spürhunde
- Handy-Spürhunde (in Gefängnissen)
- Bockkäfer-Spürhunde
- Schimmelpilz-Spürhunde
- Minensuchhunde
- Personenspürhunde (Mantrailer, Fährtenhunde, ID-Tracking)
- und bestimmt noch mehr
Als Sport gibt es z.B.
- die Gegenstandssuche, die Thomas Baumann sich unter dem Namen „ZOS®“ hat sichern lassen
- „SniffleDog®“ von TeamCanin
- „K9 Nosework“ (manchmal auch K9 Scentwork), also übersetzt einfach „Nasenarbeit“, ist in den USA ein beliebter Hunde-Sport, die Hunde suchen die Gerüche Birke, Anis und Nelke. Hierzu hat Erny Isabelle von American K9 Nosework Germany im Mai 2017 einen Einsteiger-Workshop bei mir gegeben. So sieht Nosework aus: https://www.youtube.com/playlist?list=PL7amkybqOrnqZA_bnvEzWy_bUH-zXShP9
Vorübungen, die viele auch einfach so zuhause machen, sind z.B.
- Teebeutelsuche, dabei vielleicht Teesorten unterscheiden
- das Lieblingsspielzeug suchen
- Futtersuche
- Familienmitglieder suchen/ Verstecken spielen
Auch Mantrailing gehört zur Nasenarbeit. Mehr über Mantrailing und mein Mantrailing-Angebot erfahren Sie hier.
Im Training überlegt man sich zunächst zwei Sachen:
- Was genau soll der Hund suchen? Was ist, chemisch gesehen, der Duftstoff? „Sprengstoff“ oder „Drogen“ sind zum Beispiel Überbegriffe für viele Stoffe. Natürlich muss der Stoff, mit dem man trainieren will, verfügbar sein. Damit fällt die Leichensuche, die Waffensuche und die Drogensuche für die meisten schonmal aus. Soll der Hund erst ab einer bestimmten Menge oder Konzentration anzeigen?
- Wie soll der Hund anzeigen? Bellen ist bei Sprengstoff zum Beispiel keine gute Idee. Die Anzeige muss eindeutig und gut erkennbar sein. Sie soll dem Hund nicht schwerfallen – aber möglicherweise auch nicht zu leicht. Je nach Stoff sind Anzeigen zum Beispiel: Vorsitzen, davor legen, Erstarren und Fixieren, Bellen, Pfote drauf, Kinn drauf.
Dann trainiert man die Anzeige, erklärt dem Hund, dass der gewählte Geruch das Tollste von der Welt ist, und verbindet beides. Fertig. Naja, fast. ;-) Letztlich gestaltet sich das ganze beliebig kompliziert, faszinierend, aufregend, mit Rückschlägen und Hohenflügen…
Wollen Sie mit Ihrem Hund auch Nasenarbeit ausprobieren?
Im Prinzip können Sie Nasenarbeit selbst zu Hause anfangen, wenn Sie ein bisschen was von Hundetraining verstehen. Sicherer ist es, wenn Sie es sich von einem Trainer zeigen lassen, damit Ihr Hund auch versteht, was Sie wollen. Sie können sich Übungsgruppen anschließen, oder allein trainieren, und z.B. einen Trainer immer mal draufschauen lassen.