In Hundebegegnung, Hundeerziehung, Hundepsychologie, Hundeschule, Hundetraining, Mensch-Hund-Beziehung, Tibetterrier

Ich habe eine ganze Weile hin und her überlegt, wie ich über den Erziehungs-Kurs berichten soll, an dem ich gerade mit Habca teilnehme. Ich selbst finde Berichte über die Ausbildung von Hunden immer besonders spannend. Nun gibt es aber ja in jedem Kurs Dinge, die man gut findet, und welche, die man nicht so gut findet. Und das wird genau da problematisch, wo man sich klarmacht, dass organisierte Hundeerziehung eben auch ein Geschäft ist, und dass das Internet heute eine wichtige Informationsquelle darstellt. Manch ein Geschäftsteilnehmer kann mit Kritik, mit vermeintlicher Konkurrenz oder auch nur mit Offenheit erfahrungsgemäß schlechter umgehen als andere. Es liegt mir aber fern, geschäftsschädigendes zu tun – genauso wie es mir außer in einigen Ausnahmefällen auch fern liegt, Werbung für andere zu machen.

Deshalb wird etwas für diesen Blog außergewöhnliches passieren: Ich werde Habca über unseren Kurs berichten lassen. Wer Habca kennt, weiß, dass sie unbestechlich ist, sie sagt ihre Meinung gerade heraus und achtet doch immer auf Anstand und Höflichkeit, bei sich wie bei anderen. Habca war – im Gegensatz zu mir – nie ein Fan organisierter Hundeerziehung. Ob Habca jemanden mag oder nicht mag, entscheidet sie selbst und lässt sich dabei nicht groß von mir beeinflussen. Sie hat auch nicht viel Geld für diesen Kurs bezahlt, und die Prüfung am Ende ist ihr herlich egal – im Gegensatz zu den Würstchen und Pansenstreifen und Braver-Hund-Keksen, die sich samstags in meiner Tasche finden. Aber das vielleicht wichtigste: Habca denkt nicht taktisch, sie behauptet nichts, weil sie gemocht werden will oder gefallen will. Manches, was mir im Kurs gefällt oder nicht gefällt, bekommt sie nicht mit, oder es spielt keine Rolle für sie. Ich habe drei Gründe, diesen Kurs zu machen: Ich will an ein paar Einzelheiten von Habcas Erziehung noch feilen, ich will gerne unsere gemeinsamen Fähigkeiten durch eine Prüfung bestätigt sehen, und ich will regelmäßigen Spaß mit Habca und anderen Hunden haben. So, und damit ziehe ich mich zurück und wünsche Euch viel Spaß mit Habcas samstäglicher Berichterstattung.

 

Hallo, ich bins, Habca.
Miriam sagt, ich soll etwas über Samstagvormittag schreiben. Nun, Samstagvormittag war ziemlich schrecklich, weil Miriam am Freitagabend Sachen aus ihrem Kleiderschrank in einen großen Rucksack getan hat, und davon bekomme ich so leicht Bauchweh. Und dann mussten wir am Samstag früh aufstehen und ich hatte Bauchweh und wir haben den Rucksack genommen und sind zum Bahnhof gefahren, und ich hasse Bahnhöfe, und ich habe Gras gefressen. Miriam hat gejammert, und wollte mir ständig Kekse geben, aber die konnte ich nicht nehmen, und dann haben wir auch noch F. verloren und sind mit einem Bus gefahren und es hat sehr geregnet und am Waldrand waren viele andere Hunde, die haben gebellt und ich habe zurückgebellt und das fand Miriam dann doof. Wir konnten uns aber gar nicht richtig begrüßen, und das fand ich doof. Bis dann ein Irischer Wolfshund kam, und der hat gesagt (oder war es sein Frauchen) er müsste jetzt erstmal rennen und dann sind wir alle ein bisschen rumgelaufen, aber ich fand die anderen nicht so spannend und habe Miriam gefragt was das jetzt eigentlich soll. Wir standen nämlich nur rum. Im Regen. Dann standen wir alle im Kreis rum und dann sind wir ein kleines Stück gegangen und dann standen wir wieder im Kreis rum und dann hat Frauchen lauter blöde Sachen gemacht. Sie hat anderen Menschen die Hand geschüttelt und alle haben so laut Hallo gesagt dass es in meinen Ohren gebrannt hat wie Chili und ich musste etwas bellen. Und Frauchen hat einen anderen Hund gestreichelt! Und alle haben meinen Namen gerufen! Und ich sollte ständig sitzen oder platzen oder „bei“ ihr laufen. Kann ich ja alles! Kein Problem! Aber ich bin nicht so ein blöder Aufziehhund den man irgendwo hinlegt, ich pass schon auf, dass alle sich benehmen, und wenn die zu wild an meinem Frauchen rumzerren ist das ja wohl wichtiger als ein Platz-Kommando, oder? Ich kenn so einen Quatsch ja auch, bin ja kein Anfänger: Gehen wir also Samstags dahin und machen so einen Quatsch, gut, wenn es Miriam Freude macht, wie gesagt, Platz kann ich, und Fuß oder bei oder wie sie das jetzt nennt. Und wenns mir zu bunt wird, da habe ich einen besonderen Trick: Ich setz mich vor Frauchen hin und starre sie ganz, ganz doll an, und dann verschwindet irgendwie alles andere. Das geht auch im Gehen, mache ich immer wenns mir zu stressig wird. Ich hab das in einem von Miriams Büchern gelesen, Check in with owner, hieß das da, und das hilft mir, das mache ich dann immer. Nur manche Leute sagen ich würde Frauchen belästigen, also das finde ich echt blöd. Ich meine, ich bin ein Begleithund, ich pass halt auf, und ich sorge ja auch für sie…

Wie auch immer, wir sind dann noch zu McDonalds gegangen, und da war ich plötzlich sehr müde, und dann war F. irgedwie auch wieder da, und dann kam es wie ich es mir die ganze Zeit gedacht hatte: Miriam und ihr Rucksack sind in den falschen Zug gestiegen und waren weg, und F. und ich waren ganz allein, und wir sind hundert mal Spazieren gegangen und haben sie gesucht, ich habe mir ganz viel Mühe gegeben. Beinahe hätte ich schon Dixie angerufen und um Hilfe gebeten, aber dann kam sie plötzlich in die Wohnung, mitten in der Nacht, und roch ganz anders. Ich werde jetzt beim Schlafen wieder immer meinen Kopf auf ihren Fuß legen, damit ich merke wenn sie gehen will, denn diese Alleingänge, also, davon halte ich wirklich nichts.

Naja, Miriam sagt ich hätte schon genug erzählt, und wir würden jetzt angeleint Leute begrüßen üben, und ich sollte dabei schräg hinter ihr sitzen, aber das verstehe ich noch nicht so ganz, denn wie soll ich sie dann beschützen? Wie soll ich checken ob der Typ okay ist, wie soll ich meine Freude über meine Lieblingsmenschen ausdrücken? Ich denke, darüber müssen wir nochmal sprechen, Frauchen.

Showing 6 comments
  • Steffi

    Liebe Habca,

    eigentlich schulde ich deinem Frauchen noch dringend eine e-mail, aber ich glaube, dir zu antworten ist mir jetzt gerade erstmal wichtiger.

    Als ich das erste Mal von euren MHT-Plänen gehört hab, hab ich so bei mir gedacht, dass ich das für euch sehr überflüssig finde. Und es hört sich für mich so an, als ob du das auch so siehst.

    Unter euch Tibetern gibt es einfach solche und solche, manche mögen dieses Gruppentheater ganz gern, manche nicht. Ich hab den Eindruck, dass vor allem ihr Mädchen eher zur Gruppe „manche nicht“ gehört, denn ihr seid die Eingreiftruppe im Hintergrund. Wenn es dann überall laut ist und ein buntes Treiben herrscht, braucht ihr Fixpunkte, die wir euch nicht immer geben können in so einer Veranstaltung, denn wir haben auch so viel zu tun dabei.

    Deswegen fahre ich so gern in die Schweiz (oder trainiere allein), denn dort habe ich genau dieses ruhige Training für euch Tibeter gefunden. Der (Affen-)Tanz in einer Reihe wie beim hierzulande doch sehr beliebten Augsburger Modell ist nur was für die hartgesottenen unter euch, wie den Bhyi-Bo zum Beispiel.

    Peggy war auch so ein Beobachter wie du in deinem Alter, aber sie hatte immer jemandem zum Drauf-Aufpassen um sich herum. Erst ihren Freund Filou, dann ihren Sohn Bhyi-Bo, nun ist auch noch Kalle dabei. Für alle ging sie durch’s Feuer, wenn ihr die Situation zu brenzlig wurde, einmal über einen Bernersennen-Husky, um sich auf eine Hovawart-Bernhardinerdame zu stürzen, die ihr zu wild mit Bhyi-Bo gespielt hatte ;)

    Aber ich schweife ab. Was ich sagen wollte: Ich finde, ihr seid schon ein tolles MHT, und manche Eigenarten gehören einfach zu einem Tibetermädchen dazu. Vielleicht eben auch, dass ihr so ein aufgesetztes Lernzeugs doof findet und da nie wirklich zeigen könnt, was ihr draufhabt. Aber ich kann mich gut dran erinnern, dass ich deinem Frauchen einfach so die Hand schütteln durfte, und den Menschen von Jack auch. Wenn man das in entspannter Umgebung macht, seid ihr auch nicht so misstrauisch.

    Also Habca, lass dich nicht entmutigen. Der Bhyi-Bo sitzt auch nur aus Keks-Gehorsam neben mir, wenn ich jemandem die Hand schüttle, aber das reicht ja eigentlich auch, oder? Das mit dem „Nicht-guten-Tag-sagen-dürfen-und-es-nicht-doof-finden“ und so… das kommt von ganz allein, wenn ihr älter werdet und merkt, dass es ziemlich oft sowieso ziemlich uninteressant ist.

    Und was ich bisher von Perdita Lübbe gehört hab, gehört sie wenigstens nicht zu denen, die Miriam dann erklärt, dass man dich zurückreißen und mit NEIN anbrüllen muss. Also, ich wünsche dir, dass du in ein, zwei Samstagen das ganze etwas entspannter angehen kannst, wenn du die Gruppe wiedererkennst und weißt, was da passiert. Ich freue mich auf deine weiteren Berichte!

    Ganz liebe Grüße
    Steffi

  • BamBam

    Ganz kurz und knapp: Frauchen sagt, sie weiß nicht, warum dein Frauchen das macht. Ihr wärt das doch schon. So ein Teamdingens. Ich muss mir das im April mal ansehen, dann kann ich das besser beurteilen.

    Schnuff
    BamBam

  • Emil

    Ach ja, Frauchen wird gerade an solche Kurse erinnert, sie dachte nämlich auch mal sowas wäre wichtig.
    Ein Glück hat sie dann bei mir entschieden, dass ihr niemand mehr reinredet, wie sie mit mir umgehen muss. Denn die tollen Hundetrainer kennen erstens mich doch gar nicht und kennen auch die Dinge gar nicht, die ich im Alltag können muss.
    Zuhause oder in der Stadt kann Frauchen jedem Menschen die Hand geben, aber wenn sie irgendwann im einsamen Feld oder Nachts einem wildfremden Mann die Hand schüttelt, dann schaue ich bestimmt mal genauer hin.
    Fazit: Solche gestellten Alltags-Situationen im Gruppentraining haben doch selten was mit der Realität zu tun.
    Wuff
    Emil

  • Habca und Miriam

    Liebe Steffi,
    das ist aber nett, das Du mir zuerst schreibst, und auch sehr richtig so. Überhaupt bin ich froh, dass Frauchen Dich gefunden hat, ich glaube, so kann ich meine Rechte als Tibeter noch besser durchsetzen.
    Stimmt schon, meinetwegen müssen wir keine Kurse machen sondern könnten das Geld für neue Stofftiere, Frisbees und Dummies ausgeben. Aber Frauchen wird schon ihre Gründe haben, und da ziehe ich natürlich auch mit ihr an einem Strang. Pff, machen wir halt affige Sachen einen Vormittag in der Woche, Hauptsache wir machens zusammen. Mittlerweile kann ich mich auch drauf verlassen dass sie nichts mit mir macht was sie nicht gut findet, nur weil ihr das irgendwer sagt. Vielleicht erlaube ich ihr irgendwann doch einen Zweithund, der kann dann die Kurse mit ihr machen, hähäh.
    Jedenfalls darfst Du meinem Frauchen weiter die Hand schütteln, Du bist ja harmlos, das riecht doch jedes Baby.

    Deine Habca

  • Habca und Miriam

    Lieber Bambam,
    Frauchen sagt, ich soll Dir sagen, man könnte da zum Beispiel lernen wie man sitzen bleibt obwohl MENSCHEN BELLEN. Das wäre eine Art Selbstbeherrschung und dann könnte man sich entspannen obwohl komische Sachen passieren, und das wäre irgendwie gesund oder so. Blahblah. Aber Du weißt ja, man tut was man kann, um sein Frauchen glücklich zu machen und auszulasten. Andere buddeln gemeinsam nach Käse oder so. Hähäh.

    Habca

  • Hoshi

    Macht es euch beiden (!) Spass?

    Wüffchen
    Hoshi

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